JAV/PR-Forum 2018

Arbeitszeit als Instrument der Entlastung

Forum B5

JAV-/PR-FORUM 2018 ver.di JAV-/PR-FORUM 2018

Referent: Oliver Bandosz, ver.di-Bundesverwaltung, Tarifsekretariat öD 

Das Forum hat vor allem gezeigt, dass Arbeitszeit wieder ein Thema innerhalb des öffentlichen Dienstes ist. Allerdings wird diese Diskussion nicht allein von Arbeitszeitverkürzung bestimmt.

Arbeitszeit ist eines der zentralen Themen in der Arbeitswelt. Aber das Normalvollzeitarbeitsverhältnis ist auch im öffentlichen Dienst nicht mehr das Arbeitsverhältnis schlechthin. Die Arbeitszeiten von Beschäftigten und Beamtinnen und Beamten variiert. Und auch innerhalb einer Dienststelle gibt es unzählige individuelle Teilzeitlösungen. Die Gestaltung der Arbeitszeit wird flexibler, bunter – aber auch oft länger statt kürzer. Die individuelle Arbeitsbelastung nimmt zu, viele sehen als Ausweg oft nur noch eine Reduzierung der Arbeitszeit, was dann wieder zu einer Mehrbelastung der Kolleginnen und Kollegen führt, da in aller Regel keine Ersatzeinstellungen vorgenommen werden.

Hinzu kommt: Auch die Arbeitgeber haben eigene Vorstellungen zur Arbeitszeit und deren Flexibilisierung, die nicht  immer mit denen der Beschäftigten übereinstimmen. Weitere Schwierigkeiten treten in den Bereichen auf, wo es Kolonnen-, Schicht- oder Saisonarbeit gibt.

In jüngster Zeit wurden unter großer medialer Beachtung Tarifverträge mit verschiedenen Wahlmöglichkeiten - Geld oder Freizeit - abgeschlossen. Was allerdings nicht in der breiten Öffentlichkeit dargestellt wird, ist, dass diese Abschlüsse von den Beschäftigten erkauft worden sind. Die Gegenleistungen für diese Wahlmöglichkeiten sind so individuell wie die Tarifverträge. Daher kann pauschal nicht gesagt werden, was von den Beschäftigten auf der anderen Seite für die Arbeitszeitverkürzung bezahlt werden muss.

Arbeitszeitverkürzung setzt sich aus vielen verschiedenen Elementen zusammen - aus tariflichen, betrieblichen und individuellen Regelungen. Zudem spielen Personalentwicklung, Personalmangel, Digitalisierung, Arbeitsverdichtung und finanzielle Mitteln eine Rolle. Auch der gesamtgesellschaftliche Umgang mit Arbeitszeit muss einbezogen werden (kurze Vollzeit für alle). All dies beeinflusst das Thema Arbeitszeit. Das normale Arbeitszeitmodel ist durch betriebliche und individuelle Regelungen vielerorts ersetzt worden.

Daher stellt sich die Frage, wie diese verschiedenen Ebenen und Aspekte in tariflichen Regelungen so zusammengefasst werden können, dass sie eine Weiterentwicklung und keinen Rückschritt bedeuten.

Weiterhin wird sich eine tarifliche Arbeitszeitverkürzung nicht am Verhandlungstisch durchsetzen lassen. Eine Lösung im TVöD ist nur möglich, wenn der gesamte Teil 2 gekündigt wird, was jegliche Regelung zur Arbeitszeit außer Kraft setzen würde. Damit würde das in Sachen Arbeitszeit bereits Erreichte einbezogen und wieder zur Disposition gestellt werden.

Der Weg hin zu einer Arbeitszeitverkürzung, die zu einer individuellen Entlastung der Einzelnen/des Einzelnen führt, ist sehr lang und steinig. Allem voran muss eine breit aufgestellte Diskussion mit den Beschäftigen im öffentlichen Dienst geführt werden. Es muss in einem ersten Schritt darum gehen, was die Beschäftigten wollen und ob sich diese Forderungen über eine allgemeine tarifliche Regelung erfassen lassen. Daran anschließend muss die Bereitschaft vorhanden sein, diese Forderungen in einem harten und langen Arbeitskampf durchzusetzen. Hierzu ist es auch unerlässlich, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass diese Forderungen berechtigt sind. Erst wenn diese Durchsetzungsfähigkeit erreicht ist, kann mit der eigentlichen Durchsetzung innerhalb einer Tarifverhandlung gestartet werden.

Einen schnellen Erfolg wird es hier nicht geben. Wir stehen hier noch ganz am Anfang des Weges und packen, um im Bild zu bleiben, gerade unseren Rucksack, um uns auf den Weg zu machen.

Bericht: Tanja Krönert