JAV/PR-Forum 2018

Digitalisierung – Kompetenzanforderungen an Verwaltungsberufe

Digitalisierung

Forum A4

Digitalisierung Pixabay Digitalisierung

Vortrag von Prof. Tino Schuppan vom Stein Hardenberg Institut (SHI) und anschließende Diskussion

1.        Digitalisierung ist als Organisations-, Führungs- und Personalthema gestaltbar und nicht ein rein technisches Thema. Im Zusammenhang mit der Digitalisierung sollte die Arbeitsorganisation mitarbeiterorientiert angepasst werden. Genauen Vorhersagen sollte auch aus diesem Grund misstraut werden.

2.       Im Bereich der Kompetenzen wird es zu Abwertungen und Aufwertungen kommen. Wichtiger werden soziale, organisatorische und interkulturelle Kompetenzen sowie die Kompetenz, im Arbeitsprozess zu lernen. Fachwissen wird weiterhin wichtig bleiben, aber Tätigkeiten wie die Rechtsanwendung werden auch von Automatisierung betroffen sein. Es ist zu überlegen, die Ausbildungsordnungen an das Zeitalter der Digitalisierung anzupassen.

3.       Die Mitbestimmung muss ausgebaut und neu ausgerichtet werden. Mit der prozessorientierten Mitbestimmung hat NRW einen guten Ansatz. Weiterhin ist zu überlegen, ob zur Einführung von Digitalisierungsprozessen eine so genannte „itterative Mitbestimmung“ Praxis werden sollte, die in einem Prozess von Versuchen und dem Lernen aus Erfahrungen stattfindet. Die einfache Zustimmung oder Ablehnung reicht nicht aus. Zur Durchsetzung einer solchen Mitbestimmung sind auch die Gewerkschaften gefordert.

Kurzbericht über das Forum

Aufgezeigt werden konkrete Beispiele wie die automatisierte Bearbeitung von telefonischen Bürgeranfragen im britischen Enfield oder ein Arbeitsvermittlungssystem mit Hilfe der automatisierten Verknüpfung von Daten in Frankreich mit dem Ergebnis eines deutlichen Anstiegs von Vermittlungsfällen (Bob Emploi).

In der Diskussion zeigt sich eine große Spannbreite beim Grad der Digitalisierung der Dienststellen und der Einbeziehung der Personalräte. Teilweise stehen dort Sachverständige zur Verfügung. Die Mitbestimmung muss die Digitalisierung über den gesamten Prozess begleiten, kontrollieren, weiterentwickeln und begrenzen.

Betriebliche Interessen­vertretungen sollten besser in die Lage versetzt werden, strukturiert an das Thema Digitalisierung heranzugehen. Im Rahmen eines betrieblichen Projekts möchte das SHI eine systematische Fragestrategie für Interessenvertretungen erarbeiten, wofür noch Pilotverwaltungen zur Teilnahme gesucht werden.

Bericht: Armin Duttine