JAV/PR-Forum 2018

Generation XYZ – Arbeitsmarkt in Bewegung

Forum A2

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Referent: Ingo Leven – Kantar TNS

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde begann Ingo Leven (Kantar public) die Präsentation zu den wesentlichen Ergebnissen der Shell.-Jugendstudie 2015. Er stellte den Rahmen der Studie vor und ging auf die Vorgehensweise ein.

Die drei Key-Facts der Studie sind:

-          Jugendlichen fehlen lange Zeithorizonte.

-          Die soziale Herkunft entscheidet nach wie vor über Karrierechancen.

-          „Sowohl-als-auch“-Mentalität stark verbreitet

Ingo Leven ging weiter auf die sich verändernde Werteorientierung ein. Diese sei auch auf den schnelleren Übergang in die Erwerbstätigkeit zurückzuführen. Je nach sozialer Herkunft variiert der Optimismus bezüglich der eigenen Zukunft. Dies spiegelt sich auch in der Berufsorientierung wider.

Die größte Gruppe bilden hier die „Durchstarter“ mit 37 Prozent. Diese Gruppe möchte Karriere machen. Planbarkeit ist ihnen wichtig. Die Mehrheit dieser Gruppe sind junge Frauen (60 Prozent) aus der oberen Mittelschicht, 71 Prozent von ihnen mit Kinderwunsch. Dies unterstützt die Gesamtthese der „Sowohl-als-auch“-Mentalität. Hieß es früher noch „Was willst du? Karriere oder Familie?“, so heißt es heute „Was willst du? Karriere und Familie?“

Eine weitere Gruppe stellt den ideellen Nutzen des Berufes in den Fokus, die „Idealisten“, mit 18 Prozent eine kleine Gruppe. Für sie steht die Sinnhaftigkeit der Tätigkeit im Vordergrund, jedoch ist Arbeit nicht alles. Diese Gruppe wird ebenfalls von jungen Frauen (60 Prozent) der oberen Mittelschicht dominiert, sie ist aber eher älter als im Vergleich zu anderen Gruppen, und der Kinderwunsch ist sehr stark ausgeprägt.

Die Gruppe der „Bodenständigen“ ist eine Mischung aus ersten beiden (27 Prozent). Im Fokus steht eine Arbeit mit einem Sinn, die planbar ist. Einer Karriere sind sie nicht abgeneigt, jedoch steht sie nicht oben auf der persönlichen Agenda. Diese Gruppe wird von jungen Männern (37 Prozent) dominiert, die im Vergleich zu den anderen Gruppen eher älter sind. Der Kinderwunsch ist gering ausgeprägt, ebenso der Wunsch nach einem Studium.

Die vierte Gruppe sind die „Distanzierten“ (18 Prozent). Sie sind bezüglich der Berufswahl eher orientierungslos. Diese Gruppe wird von jungen Männer (60 Prozent) aus der Mittelschicht dominiert. Der Kinderwunsch ist gering.

Alle Gruppen haben gemeinsam, dass 99 Prozent von ihnen „online“ sind, jedoch digitale Medien nicht als Bildungsangebot nutzen. Digitale und soziale Medien bieten den ersten Kommunikationskanal.

Inhaltlich bietet dies für Personalräte sowie Jugend- und Auszubildendenvertretung verschiedene Anknüpfungspunkte. Die Ansichten und die Werteorientierung der Generation XYZ müssen ernst genommen werden, nicht nur um als Arbeitgeber weiterhin attraktiv zu sein, sondern auch um eine Arbeitswelt zu gestalten, die den Ansprüchen künftiger Generationen Rechnung trägt. Ein Bewerberverfahren, das mehrere Monate bis hin zu einem halben Jahr dauert, wird viele Bewerbergruppen verschrecken, und nur eine  Minderheit wird die Angebote wahrnehmen.

Formalien sollten vielmehr hinterfragt werden und dort, wo möglich, abgebaut werden. Ebenso Arbeitsbedingungen, die nicht auf die Bedürfnisse von Beschäftigten eingehen. Auf einem sich wandelnden Arbeitsmarkt ist die Anpassungsfähigkeit der Arbeitgeber gefragt. Hier heißt es am Ball bleiben und in der Dienststelle Themen setzen und bewegen.

Bericht: Ines Born