JAV/PR-FORUM 2017

Belastungsabbau im Arbeitsalltag organisieren

JAV/PR-FORUM

Forum A 2

Forum A 2 Bender Forum A 2

Referenten: Michael Gümbel, sujet, und Judith Keil, PR Palmengarten

 Berichterstattung im Plenum („3 Sätze“)

1.    Am Beispiel des Modellprojektes demografischer Wandel  hat sich gezeigt, dass solche Prozesse nur funktionieren, wenn Dienststelle und Personalrat dies gemeinsam, mit verbindlicher Übereinkunft, angehen. Die betroffenen Beschäftigten müssen von Anfang an eng einbezogen,  zu Beteiligten gemacht werden.

 2.    Wichtig ist, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit zu schaffen, indem ganz konkrete, von Beschäftigten selbst entwickelte Ideen, Vorschläge, Maßnahmen zur Arbeitserleichterung, zur Vermeidung oder zum Abbau von Belastungen realisiert werden, d.h. Mittel /Geld und Wege von Vorgesetzten/Führung bereitgestellt werden.

 3.    Was Vorgehen, vor allem aber auch konkrete Maßnahmen zum Belastungsabbau angeht, gibt es nicht DIE Lösung oder DAS Rezept, sondern ganz unterschiedliche Maßnahmen, Ansätze und Wege, die sich aus Tätigkeit und Bedürfnissen der Beschäftigten ableiten lassen. Entscheidend ist am Ende ein konsequentes Vorgehen und oft auch ein langer Atem bei den Beteiligten.

Kurzbericht über das Forum „Belastungsabbau“

Die meisten Teilnehmenden berichten in der Vorstellungsrunde und Diskussion über hohe Belastungen der Beschäftigten durch hohes Durchschnittsalter, zu wenig Personal für teilweise neue Aufgaben, viele Altersabgänge in den nächsten Jahren und steigende Belastungen für diejenigen, die weiter da bleiben. Zudem fehlen Gefährdungsbeurteilungen, nehmen gerade psychische Belastungen und Probleme zu und braucht es dringend konkrete Maßnahmen, um dem entgegenzuwirken oder - noch besser – vorzubeugen.

Das Projekt Palmengarten setzte zunächst bei der Bereitschaft und Motivation der Beschäftigten an, sich überhaupt auf einen solchen Prozess einzulassen. Der erste wichtige Schritt war deshalb die Sensibilisierung der Kolleginnen und Kollegen im handwerklichen Bereich, damit sie sich überhaupt der Frage stellen, was in ihren Tätigkeiten vor allem die körperliche Belastung und Überbeanspruchung ausmacht.  Was ist nötig, um auch bis zum Rentenalter von 67 Jahren trotzdem diesen Job machen zu können? Damit haben sich die  Beschäftigten dann in verschiedenen Workshops intensiv befasst und Ideen und sehr konkrete Vorschläge entwickelt.

Aufgrund der Übereinkunft zwischen Dienststelle und Personalrat über die Durchführung des Projekts wurde es auch möglich, Veränderungen mit entsprechenden Mitteln umzusetzen. Auch wenn dies ein relativ langer Prozess war - nach etwa zweieinhalb Jahren wurde das Projekt beendet - , so wurden in dieser Zeit Prozesse eingeleitet, die über das Projekt hinaus weiter wirken und Bestand haben. Eine Kulturveränderung auf allen Ebenen konnte in Gang gesetzt werden, die Erkenntnis ist gereift, dass sich etwas positiv verändern lässt, wenn alle Beteiligten und Verantwortlichen an einem Strang ziehen. Im Ergebnis wurden diverse Maßnahmen umgesetzt, die einen deutlichen Belastungsabbau (körperlich) mit sich bringen und nicht nur für die älteren, sondern für alle Mitarbeitenden erhebliche Erleichterungen bringen. Der Dienststelle war es das wert, die notwendigen Mittel waren dort, wo sie gebraucht wurden, auch vorhanden.

Das Projekt hat letztlich auch Vertrauen geschaffen für solche Prozesse, gegenüber dem Personalrat und auch den Vorgesetzten. Die ohnehin recht gute Motivation und die Identifikation mit der Aufgabe wurden damit positiv gefördert.

Kritisch angemerkt wurde in der Diskussion, dass der Arbeits- und Gesundheitsschutz oft fehlenden Haushaltsmitteln geopfert wird und dass die Durchsetzbarkeit von notwendigen Maßnahmen in der betrieblichen Praxis mitunter schwierig ist und an deutliche Grenzen stößt. So gibt es immer noch zu wenige Gefährdungsbeurteilungen. Ein entsprechendes Bewusstsein und Veränderungen/Lösungen für Belastungsabbau  müssen von allen Beteiligten gesehen werden und gewollt sein!

Lediglich angerissen wurde in der Diskussion, dass zum Belastungsabbau auch Aufgabenkritik gehört, indem nicht mehr leistbare Aufgaben (meist aus Personalkapazitätsgründen) auch nicht gemacht werden beziehungsweise Prioritäten gesetzt werden, dies aber intern wie auch der Bürgerschaft gegenüber von Vorgesetzten kommuniziert und vertreten werden muss.

Es gibt außerdem Tätigkeiten, die grundsätzlich als „alterskritisch“ anzusehen sind und nicht erwarten lassen, dass man diese bis zum Rentenalter uneingeschränkt  ausüben kann. Dazu lohnt eine Vertiefung an anderer Stelle zum Thema „Berufsverlaufsperspektiven“ und „lebenslanges Lernen“.