JAV/PR-FORUM 2017

Gute digitale Arbeit der Zukunft gestalten

JAV/PR-FORUM

Rede Pieper zur Digitalisierung

Wolfgang Pieper Bender Wolfgang Pieper

Bei einer demokratischen digitalen Agenda muss der Mensch im Zentrum stehen. Daran lässt Wolfgang Pieper, Mitglied des ver.di-Bundesvorstandes und Leiter der Bundesfachbereiche Gemeinden und Bund/Länder, vor den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der JAV/PR-Konferenz des Fachbereichs Gemeinden Ende Oktober in Magdeburg, keinen Zweifel. Die Schlüsselfrage der Digitalisierung laute: Wer hat das Sagen in den digitalen Abläufen. Für Pieper ist Digitalisierung ein Prozess, der gestaltet werden kann und gestaltet werden muss. Bei dieser Gestaltung gehe es darum, die Chancen der Technologie zu nutzen und die Risiken zu begrenzen.

Pieper verweist darauf, dass der Prozess der Digitalisierung bereits weit fortgeschritten ist. Bei der Arbeit, in unserem Alltag und in der täglichen Kommunikation seien digitale Technologien und Vorgänge nicht mehr wegzudenken.  Vorgänge, die menschliche Muskelkraft erfordern, seien bereits weitgehend automatisiert. Die Digitalisierung ziele nun auf das Automatisieren des menschlichen Denkvermögens und der menschlichen Entscheidungskraft.  Pieper nannte als Auswirkungen der Digitalisierung unter anderem die Entgrenzung und Flexibilisierung der Arbeitsorganisation und die Überwachung und Dequalifizierung. Zudem gingen Studien davon aus, dass in den kommenden Jahren in bestimmten Sparten der bestehende Fachkräftemangel sich noch verschärfen wird, gleichzeitig gingen Jobs durch die Digitalisierung verloren. In bestimmten Bereichen steige deshalb die Arbeitslosigkeit. Es ergeben sich dadurch neue Anforderungen an Weiterbildung und Qualifizierung. Ferner müsse es darum gehen,  Beschäftigte gegen die Risiken der Digitalisierung abzusichern. Pieper verweist  darauf,  dass Prognosen zufolge gerade der öffentliche Dienst vor einer großen Digitalisierungswelle steht.

Im Zuge der Digitalisierung übernimmt der Computer Entscheidungen, die bisher von Menschen gefällt wurden. Je mehr Entscheidungen der Computer und nicht der Mensch fällt, desto weniger Kontrolle hat der Mensch über seine eigene Tätigkeit. Im Gegenteil: Der Computer sagt dem Menschen, was er zu tun oder zu lassen hat. Gleichzeitig steigen die Kontroll- und Überwachungsmöglichkeiten der Beschäftigten durch den Arbeitgeber.

Was passiert vor Ort? Die Ämter und die Behörden sind im Umbruch. Die Kommunen richten Apps ein, vieles braucht keinen Gang zur Behörde mehr, sondern kann per Smartphone oder Laptop erledigt werden. Doch mehr Effizienz wurde damit nicht erreicht – bisher jedenfalls nicht, sagt Pieper. Er nennt in diesem Zusammenhang das digitale Zahlverfahren bei der Hundesteuer. Einige Kommunen setzen dabei Verfahren ein, die unterm Strich einen deutlichen Mehraufwand bedeuteten und damit mehr Arbeit für die Beschäftigten dieser Kommunen.

Nach Piepers Worten gilt es, den digitalen Wandel in den Ämtern und Behörden zu gestalten: Es braucht Arbeitszeitmodelle und das Recht auf Nichterreichbarkeit. Ein Home Office mag die Lösung schlecht hin für junge Eltern sein – zum Schutz der Beschäftigten muss Home Office definiert und eingegrenzt werden. Neben Arbeits- und Gesundheitsschutz ist Beschäftigungssicherung und Rationalisierungsschutz notwendig, ebenso muss sichergestellt werden, dass die Beschäftigten qualifiziert werden, dass in Ausbildung und Weiterbildung investiert wird.

Die Digitalisierung löst nach Piepers Worten kein einziges Personalproblem. Wenn in einer Kommune zu wenig Personal vorgehalten werde, erhöhe sich der Druck auf die Beschäftigten. Es müsse darum gehen, die Arbeitsbelastung der Kolleginnen und Kollegen auf den Ämtern und in den öffentlichen Betrieben zu vermindern. Transparenz der Arbeitsabläufe dürfe zudem nicht dazu führen, dass die Beschäftigten noch mehr überwacht würden. 

Was muss jetzt passieren? Für Pieper geht es darum, noch besser mit den Beschäftigten in den Dialog zu kommen. Dabei will ver,di auch erfahren, wie die Beschäftigten ihre derzeitigen Arbeitsbedingungen sehen. Geklärt werden soll aber auch, wie sie sich gute digitale Arbeit wünschen. Diese Diskussionen sollen dokumentiert und in Gremien getragen werden.