JAV/PR-FORUM 2017

Umgang mit Mitarbeiter/-innen mit psychischen Erkrankungen

Forum B 2

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Referent: Dr. F.Gröben, KIT Karlsruher Institut für Technologie – Institut für Sport – und Sportwissenschaften

Moderation: Achim Christophersen

Grundlage des Vortrages war eine Studie aus dem Jahr 2011 zur Problematik der Eingliederung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit psychischen Erkrankungen, das zum Themenfeld „Gesundheit und Qualität der Arbeit“ der Hans-Boeckler-Stiftung wurde.

Online befragt hatten 130 Betriebe und 25 überbetriebliche Experten geantwortet - vor allem aus Handwerk, produzierendem Gewerbe, dem Dienstleistungsgewerbe, der Kredit- und Versicherungswirtschaft sowie den öffentlichen Verwaltungen.

Der Referent führte mit einigen Fakten ins Thema ein: So gab es nahezu eine Verdoppelung des Anteils der Arbeitsunfähigkeitstage durch psychische Erkrankungen von 2001 bis 2015 – von 6,6 Prozent auf 10,5 Prozent. 2015 fielen im Durchschnitt 25,6 Arbeitsunfähigkeitstage durch psychische Erkrankungen an.

Verzeichnet wurde auch eine deutliche Steigerung der Rentenzugänge wegen Minderung der Erwerbstätigkeit durch psychische Erkrankungen (gut 40 Prozent der Rentenzugänge). Die gesamtgesellschaftlichen Kosten (Fehlzeiten, Behandlungskosten, Wertschöpfungsverluste) waren immens.

Zu den Maßnahmen nach einer längeren Erkrankungsdauer zählten unter anderem Rückkehrergespräche, teilweise auch Gespräche mit dem Betriebsarzt und dem Sozialberater, BEM, Arbeitsplatzbegehungen. Bei besonders schwierigen Eingliederungsfällen nahmen psychische Erkrankungen einen Spitzenwert ein. Fehlende Integrationsmöglichkeiten, aber auch unzureichende Akzeptanz sind offenbar die Haupthemmnisse für eine erfolgreiche Wiedereingliederung.

In der Diskussion wiesen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Forums darauf hin, dass die Reintegration nur dann gelingt, wenn „dicke Bretter“ gebohrt werden, ein langer Atem vorhanden ist, engagierte betriebliche Akteure vorhanden sind und die betrieblichen Interessenvertretungen Motoren der Prozesse sind.

Bericht: Achim Christophersen