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Wandzeitung gibt den Ausschlag

Gesundheit

Gefährdungsbeurteilung im Jobcenter

Wandzeitung ver.di Wandzeitung

Gefährdungsbeurteilungen sind für den Arbeitgeber Pflicht – nicht nur Beurteilung der physischen, sondern auch der psychischen Belastung des jeweiligen Arbeitsplatzes. Und: Diese Beurteilungen müssen regelmäßig – und zwar alle drei bis fünf Jahre – aktualisiert werden.  Die Personalräte müssen darauf achten, dass diese Aktualisierung auch stattfindet, betont Marion Ühla-Mayer, Personalratsvorsitzende beim Jobcenter Hof Stadt. Aus eigener Erfahrung weiß sie: Hilfreich kann dabei der Einsatz der von ver.di erarbeiteten Wandzeitung sein.

Es ist schon ein paar Jahre her, dass die Gefährdungsbeurteilungen im Jobcenter Hof Stadt erstellt wurden. Inzwischen ist einiges anderes: Es wurde die E-Akte eingeführt, Arbeitsabläufe veränderten sich, Kolleginnen und Kollegen zogen in andere Büros und vieles mehr. Nahezu kein Arbeitsplatz ist heute noch so wie zur Zeit der damaligen Gefährdungsbeurteilungen. Nicht dass der Arbeitgeber sich gegen die Pflicht stellt, solche Beurteilungen vorzunehmen. Aber die Zeit verrann und es kam immer wieder was anscheinend Wichtigeres dazwischen.  „Wir haben aber ein großes Interesse, dass die Gefährdungsbeurteilungen aktuell sind“, sagt Ühla-Mayer.

Ein Zufall brachte sie auf eine Idee, mit der wieder Schwung in die Sache kam: Bei einer Personalräte-Veranstaltung stieß sie auf die Wandzeitung zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Fehlbeanspruchung, die am ver.di- Infostand präsentiert wurde.  Für die Personalversammlung wenige Tage später könnte die Wandzeitung eine sinnvolle Ergänzung zur Tagesordnung sein, dachte sie. „Warum nicht anhand dieser Wandzeitung die Kolleginnen und Kollegen nach ihren Belastungen nach ihren Belastungen am Arbeitsplatz fragen? Nach ihrer Einschätzung des Stresses?“, fragte sie sich. Denn die Kolleginnen und Kollegen kennen ihre Arbeit am besten. Sie können am ehesten über tatsächliche Fehlbeanspruchungen Auskunft geben und Hinweise, woran es krankt.

Rasch schloss sich Ühla-Mayer mit den ver.di-Kolleginnen am Infostand kurz und konnte die Wandzeitung für ihre Veranstaltung einpacken. Weil auch die restlichen Mitglieder des Personalratsgremiums nichts gegen die Wandzeitungs-Idee für die Personalversammlung einzuwenden hatten, kam die Tafel zum Einsatz.

„Es war uns wichtig, den Kolleginnen und Kollegen bei der Personalbesammlung deutlich zu machen, dass es bei einer Gefährdungsbeurteilung nicht ausreicht, allgemein auf eine Belastung hinzuweisen“, sagt sie heute. Die Fehlbeanspruchung muss konkreten Tätigkeiten zugeordnet werden. Mit der Wandzeitung war diese Zuordnung problemlos möglich. Zudem ging es um folgende Leitfragen: Was heißt „Gute Arbeit“ für die Kolleginnen und Kollegen? Was empfinden sie als besonders belastend? Was empfinden sie als hilfreich und unterstützend?

„Wir waren überrascht und erfreut, wie gut die Wandzeitung angenommen wurde“, erinnert sie sich. Untereinander diskutierten die Kolleginnen und Kollegen intensiv, tauschten sich über ihre Erfahrungen aus und setzen fleißig Striche auf die Wandzeitung. Wobei die Personalräte darauf achteten, dass sich alle unbeobachtet und mit genügend Zeit mit den Fragen der Wandzeitung befassen konnten. Ausgewertet wurde die Wandzeitung einige  Tage später in einer kleinen Gruppe.

Das Fazit: „Die Antworten haben bestätigt, was wir ahnten“, sagt Ühla-Mayer – nämlich: Es besteht Handlungsbedarf. Es gibt räumliche Probleme und Probleme mit dem Lärm. Denn das Jobcenter arbeitet an einer viel befahrenen Straße. Im Sommer wird es sehr warm, doch Fenster zu öffnen ist wegen des Verkehrs nicht möglich. Die Bezahlung und die soziale Absicherung bewerten die Kolleginnen und Kollegen mit „in Ordnung“. Allerdings wünschen sie sich mehr Möglichkeiten zur Weiterbildung und Qualifizierung. Gerade dieser Punkt stieß beim Arbeitgeber auf Unverständnis. Denn es gibt Angebote zur Weiterbildung, niemand  wird davon abgehalten, diese Möglichkeiten zu nutzen. Der Personalrat will sich nun darum kümmern, dass die Seminare oder Kurse bekannter werden und vielleicht auch den einen oder die andere gezielter auf die Möglichkeiten der Weiterbildung ansprechen.

Generell reagierten auch die Verantwortlichen in der Leitung des Jobcenters sehr positiv auf die Ergebnisse der Umfrage. Es soll jetzt ein externer Anbieter damit beauftragt werden, die Gefährdungsbeurteilungen zu aktualisieren, wobei der Personalrat die Durchführung aufmerksam begleiten wird.

Vollkommen klar ist: Die Wandzeitung und damit die Befragung der Kolleginnen und Kollegen ersetzt keine Gefährdungsbeurteilung. Eine solche Befragung kann aber dazu beitragen, dass einerseits mögliche generelle Belastungen so schnell wie möglich in Angriff genommen werden. Beim Jobcenter Hof Stadt wird derzeit über eine Klimaanlage diskutiert. Und diese Befragung hat andererseits dazu geführt, dass die in die Jahre gekommenen Gefährdungsbeurteilungen nun erneut durchgeführt werden. Aber die Befragungen sind nicht das Ende einer Entwicklung, sondern der Anfang, sagt Ühla-Meyer. Es ist zwar  allen bewusst, dass sich nichts über Nacht bewegt. Aber die Ergebnisse der Befragung dürfen auch nicht in den Schubladen verschwinden. Wer seine Meinung sagt, wer Belastungen anspricht, gegebenenfalls auch Lösungen vorschlägt, erwartet, dass sich was ändert. Am besten so schnell wie möglich.

Mehr zum Them Gefährdungsbeurteilung steht auch unter www.verdi-gefährdungsbeurteilung.de