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Risiken der Digitalisierung minimieren

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Bundesfachbereichsfrauenkonferenz

Bundesfachbereichsfrauenkonferenz Bender Bundesfachbereichsfrauenkonferenz

Die Bundesfachbereichskonferenz der Frauen im Fachbereich Gemeinden fordert, ein paritätisches Wahlrecht einzuführen. Einstimmig nahm die Konferenz Anfang Februar den Leitantrag der Konferenz  unter dem Titel „Die Zeit ist reif – Parité in den Parlamenten“ an.  Als Begründung für den Antrag verwies die Konferenz auf den Umstand, dass zwar über die Hälfte der Wahlberechtigten Frauen sind, aber ihr tatsächlicher Anteil in den Parlamenten deutlich geringer ist.  Ferner sprach sich die Konferenz für die Weiterführung des Integrationsmodells zur  Frauenarbeit im Fachbereich aus.

Auch die designierte Leiterin des künftigen Fachbereichs Gemeinden, Bund+Länder sowie Verkehr, Christine Behle, sprach sich für paritätisch besetzte Wahllisten aus. Für Behle ist Deutschland noch weit entfernt von einer wirklichen Gleichstellung. Ihrer Ansicht nach „können Männer nicht die Interessen von Frauen vertreten“.

Zudem diskutierte die Delegierten über die Chancen und Risiken der Digitalisierung aus Frauensicht. Das Fazit: Die Digitalisierung begünstigt die von vielen Frauen gewünschte größere Flexibilisierung der Arbeit. Homeoffice wird in immer mehr Betrieben und Verwaltungen möglich. Doch Flexibilisierung bedeutet für die Frauen nach wie vor eher ein Hemmschuh für die Berufslaufbahn. Der Grund: Wenn Frauen flexibler arbeiten möchten, vermutet der Arbeitgeber, dass sie sich nicht mehr voll und ganz dem Beruf widmen wollen, und legten es ihnen zum Nachteil aus, dass sie sich zum Beispiel mehr um ihre Kinder oder Angehörige kümmern. Nach wie vor sei es deshalb notwendig, die Geschlechterbilder zu hinterfragen und Vorgesetze in Sachen geschlechtergerechte Führung zu schulen. Denn es zeigt sich auch heute noch, dass die Leistung von Frauen und Männern unterschiedlich bewertet wird.

Alexa Wolfstädter vom ver.di-Referat Frauen- und Gleichstellungspolitik betonte, Frauen haben je nach Lebenslage unterschiedliche Interessen. Frauen- und Gleichstellungspolitik in ver.di bedeute, auf die Vielfältigkeit der weiblichen Lebensentwürfe einzugehen. Sie verwies darauf, dass Frauen nach wie vor im Durchschnitt über 20 Prozent weniger verdienen als Männer, dass frauentypische Berufe oft schlechter bewertet und bezahlt werden als vergleichbare typische Männerberufe. Frauen würden ferner öfter in Teilzeit arbeiten oder in einem Minijob, sie unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit häufiger und länger als Männer – mit gravierenden Auswirkungen aus die eigenständige Existenzsicherung und die Absicherung im Alter. „Wir brauchen eine bessere politische, gesellschaftliche und betriebliche Absicherung, die Männern wie Frauen die gleichen Berufs- und Einkommenschancen bieten“, sagte sie. Das beinhalte auch die partnerschaftliche Teilung von Erwerbs- und Sorgearbeit. Nötig seien entsprechende Rahmenbedingungen wie die Abschaffung der Minijobs und der sachgrundlosen Befristung. Das Entgeltgleichheitsgesetz müsse so gestaltet sein, dass es diesen Namen auch verdiene. Außerdem brauche es steuerliche Erleichterungen für Alleinerziehende und eine bessere Alterssicherung von Frauen. Viel zu oft seien Frauen von Altersarmut betroffen.

Wolfgang Pieper, Bundesfachbereichsleiter Gemeinden sowie Bund+Länder, verwies auf die tariflichen Erfolge im Sozial- und Erziehungsdienst. Ver.di habe durch die Kampagnen zum Sozial- und Erziehungsdienst erreicht, dass Erzieherinnen ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt seien. An diese Erfolge wolle ver.di in den kommenden Monaten anknüpfen. Nach Piepers Ansicht müssen sich Männer und Frauen in den Betrieben und Verwaltungen für ein modernes Frauenbild starkmachen, für ein selbstbestimmtes Arbeiten und gleiche Karrierechancen.

Dass flexible Arbeitszeiten ganz oben auf der Wunschliste von Frauen stehen, zeigte sich auch in den Diskussionen um die Digitalisierung der Arbeit. Allerdings dürfe diese Flexibilisierung nicht zur Entgrenzung der Arbeit führen. Deshalb müsse der Kommunikationsfluss in vielen Verwaltungen verbessert werden. Zudem wünschen sich Frauen mehr maßgeschneiderte Schulungen/Weiterbildung. Wie ist Geschlechtergerechtigkeit in der Arbeitswelt umzusetzen? Indem die Arbeitszeit generell deutlich reduziert wird? Einige Frauen fanden diese Idee sehr verlockend – zumindest aber brauche es mehr Sonderurlaub für Kindererziehung und für Pflege. Notwendig sei aber auch, dass Frauen öfter nein sagen, wenn zusätzliche Arbeiten an sie herangetragen werden.

Text: Jana Bender

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