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Frank Viebranz privat Frank Viebranz

Frank Viebranz, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Gartenbau, Friedhöfe, Forsten: Lobbyarbeit beim Bund, den Ländern und den Kommen ist von großer Bedeutung -  „Es geht um schöne Parks und um unsere Arbeitsplätze“ 

Die Bundesfachgruppe wurde nicht müde, bei der Politik auf die Notwendigkeit des öffentlichen Grüns hinzuweisen. Sie suchte sich Unterstützer und Mit-Lobbyisten. Das Engagement zahlte sich aus. Inzwischen hat sogar die Bundespolitik der Bedeutung des öffentlichen Grüns Rechnung getragen: Es wurde nicht nur ein Weißbuch Stadtgrün veröffentlicht. Es gibt zusätzliches Geld aus Berlin für mehr Grün in den Städten. Wie wichtig Lobbyarbeit ist, darauf geht Frank Viebranz, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Gartenbau, Friedhöfe, Forsten, in einem Interview ein.

Das Grün in der Stadt hat sich einen neuen Stellenwert in der Politik erobert. Immer mehr Politiker bekennen sich wieder dazu, Geld dafür in die Hand zu nehmen.

Viebranz: Genau so ist es. Nach den Jahren, in denen es nach unserer Beobachtung nur darum ging zu sparen. Das öffentliche Grün kostete nur, brachte keine Einnahmen ein. Deshalb hatten wir von den Grünflächenämtern den Eindruck, bei uns wird verstärkt der Rotstift angesetzt. Es wurden Stellen abgebaut und die Grünflächenpflege herunter gefahren. Es ging ums Sparen. Dabei wissen alle, wie wichtig Grünflächen, Parks, gepflegte Friedhöfe für eine Stadt oder eine Gemeinde sind. Grünflächen prägen das Stadtbild – ob es viel Stadtgrün gibt, ob es gepflegt  oder ob es verwahrlost ist. Als Bundesfachgruppe Gartenbau, Friedhöfe, Forsten haben auf diesen Zusammenhang immer hingewiesen. Aber oft wurden wir nicht ernst genommen. Inzwischen hat die Erkenntnis, dass Grünflächen das Stadtbild auf eine ganz entscheidende Art prägen, tatsächlich wieder Raum gegriffen. Die Kommunen lassen sich die Pflege ihrer Grünflächen auch wieder was kosten.

Öffentliches Grün gibt es nicht umsonst.

Viebranz: Natürlich nicht. Pflege der Grünflächen kostet Geld. Es braucht qualifizierte Mitarbeiter. Es ist eben nicht damit getan, den Rasen oder die Wiesen zu mähen. Wohin die Einstellung führt, dass alles billig gehen muss, das haben die Nullerjahre gezeigt. Entsprechend sahen die Flächen aus, wenn der billigste Anbieter mit seinen Maschinen flugs über die Flächen fuhr. Fertig. Gepflegte Grünflächen bieten Lebensqualität – gerade für die Bürgerinnen und Bürger der Städte, die keine Gärten haben. Die grüne Infrastruktur, also die Spielplätze oder die Parks sind Treffpunkte und damit soziale Einrichtungen, in Parks machen die Bürgerinnen und Bürger Sport. Eine Stadt ohne saubere Grünflächen, ohne gepflegte Parks – nicht auszudenken.

Grünflächen in den Städten werden auch angesichts des Klimawandels natürlich immer wichtiger. Denn sie helfen dabei, die Temperaturen in den Ballungsräumen niedriger zu halten. Stein und Beton heizen sich schneller auf und halten die Wärme auch besser als Grünflächen.  Aber man muss auch sehen: Flächen sind in den Kommunen knapp. Flächen werden für den Wohnungsbau zum Beispiel gebraucht. Wir setzen uns dafür ein, dass die Stadtplaner nicht nur Wohnen und Arbeiten im Kopf haben, sondern auch Erholung – eben Grünflächen. Die grüne Infrastruktur ist kein Luxus, sondern unabdingbarer Teil jeder Stadtplanung.

Weißbuch Stadtgrün

Das Weißbuch Stadtgrün, das das Bundesumweltministerium im Sommer 2017 vorgestellt hat, definiert zentrale Handlungsfelder und Maßnahmen zur Sicherung und Qualifizierung von Grün- und Freiflächen in den Städten. Der Bund hat sich mit diesem Weißbuch ein Arbeitsprogramm für die nächsten Jahre gegeben. Dabei geht es um eine bessere rechtliche Verankerung der urbanen grünen Infrastruktur, um gezieltere Fördermaßnahmen, um die Entwicklung von Leitfäden, um die Durchführung von Modell- und Forschungsvorhaben und auch um eine verbesserte Kommunikation zwischen den Akteuren.

Deshalb wird das BMUB (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) und zukünftig jährlich ein Dialogforum durchführen, um neueste Entwicklungen zu diskutieren und Best-Practice-Beispiele auszutauschen. Außerdem wird alle zwei Jahre ein Bundeswettbewerb "Grün in der Stadtentwicklung" ausgelobt. Damit soll unter anderem das Engagement von Kommunen für grünere Städte ausgezeichnet werden.

Im Rahmen der Städtebauförderung stellt das BMUB jährlich 50 Millionen Euro für ein neues Programm "Zukunft Stadtgrün" bereit. Im Mittelpunkt des Programms steht die städtebauliche Förderung des urbanen Grüns und der grünen Infrastruktur in den Quartieren.

Hat das die Politik nun wiederentdeckt?

Viebranz: Zum Teil ja. Grün in der Stadt ist nicht nur ein kommunales Thema, auch die Bundespolitik hat das Thema entdeckt. Im Weißbuch Stadtgrün werden zentrale Handlungsfelder genannt, mit denen Grün- und Freiflächen in den Städten gesichert werden sollen. Das ist ein klares Bekenntnis zur Bedeutung des Grüns in den Städten. Und damit wird auch unser Engagement anerkannt. Denn seit Jahren hat  auch die Bundesfachgruppe bei verschiedenen politischen Gremien für mehr Grün in den Städten geworben. Für uns war es nie eine Frage, ob diese Flächen wichtig sind, ob die gepflegt werden müssen. Und zwar richtig gepflegt – damit die Artenvielfalt auch in den Städten wächst.

Bedeutet das auch, weniger zu mähen?

Viebranz: Wie oft gemäht wird, darf jedenfalls keine Frage des Geldes sein. Grünpflege muss nach ökologischen Gesichtspunkten erfolgen. Das kann dann schon mal bedeuten, dass weniger oft gemäht wird und eine Sommerwiese stehen bleibt. Dreckig, ungepflegt – das sind Kategorien, die mit Ökologie nichts zu tun haben. Eine kostenoptimierte Grünpflege hat immer die Ökologie im Blick, sie weiß aber auch, dass angesichts des Klimawandels es in den Städten mehr Grünflächen geben muss.

Welchen Stellenwert haben die Beschäftigten in dieser neuen Sichtweise der Kommunen?

Viebranz: Wir sehen unsere Arbeit endlich mehr wertgeschätzt. Und das tut gut. Aber hier darf es nicht stehenbleiben. Wir brauchen Gefährdungsbeurteilungen für alle Arbeiten, der Arbeits- und Gesundheitsschutz muss auch im Gartenbau deutlich größer geschrieben werden. Und natürlich fordern wir, dass die Beschäftigten besser in die Gestaltungsprozesse und in Fragen der Arbeitsabläufe einbezogen werden. Die Beschäftigten sind Fachleute, sie einzubeziehen bedeutet eben auch, Arbeitsabläufe beschäftigtengerecht und effizient zu gestalten.

Die Bundesfachgruppe hat sich bei der Politik für mehr Grün stark gemacht. Was ist da genau passiert?

Viebranz: Wir haben uns mit Vertretern des Deutschen Städtetages vernetzt, speziell mit der GALK, der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz. Auch mit den Grünen Verbänden des Garten und GALABAU gab es gute Kontakte. Bei vielen Fragen hatte sie ein offenes Ohr für unsere Anliegen beziehungsweise wir hatten die gleichen Vorstellungen, den Stellenwert des öffentlichen Grüns hervorzuheben. Wir haben zudem mit Politikern gesprochen, speziell mit Bundestagsabgeordneten, uns immer und immer wieder für das öffentliche Grün stark gemacht. Da muss man dicke Bretter bohren. Denn Grün bringt kein Geld in die kommunalen Kassen. Grün kostet nur. Aber all die Mühen haben sich gelohnt. Jetzt gibt es das Weißbuch, jetzt stellt der Bund Jahr um Jahr Geld zur Verfügung. Das Ergebnis unserer Bemühungen – natürlich in Zusammenarbeit mit der GALK und anderen Unterstützern – kann sich sehen lassen.

Lobbyarbeit hört nie auf – oder?

Viebranz: So ist es. Wenn wir nachlassen, Politiker auf unsere Anliegen hinzuweisen, verlieren wir. Diese permanente Lobbyarbeit muss immer weitergehen. Die Bundesfachgruppe setzt bei der Bundespolitik an. Genauso wichtig sind die Arbeit der Landesfachgruppen und die Lobbyarbeit vor Ort. Das heißt: Immer wieder die Kommunalpolitiker – wenn möglich aller Parteien – ansprechen, informieren. Projekte anschieben, mit den Amtsleitern sprechen. Die Kommune und damit die Kommunalpolitiker entscheiden, ob und wie viel Geld die Gartenämter bekommen. Unterstützung bekommen wir in der Regel von den Bürgerinnen und Bürgern. Sicher es geht auch um unsere Arbeitsplätze. Aber letztendlich machen wir uns für die Bürgerinnen und Bürger stark – damit sie einen schönen Park haben, in dem sie entspannen können, damit in der Stadt die Luft stimmt, damit ihre Kinder auf sauberen, sicheren und anspruchsvollen Spielplätzen spielen können und damit alle, die im Freien Sport treiben wollen, dies auch in einer schönen Umgebung tun können.

Fragen von Jana Bender/2018