Überlastungsanzeigen

Damit nichts mehr verschwindet

Überlastungsanzeigen

Sabine Heidebrecht-Rüge privat Sabine Heidebrecht-Rüge

Wie muss mit Überlastungsanzeigen umgegangenen werden? Welche Schritte muss die Verwaltung einleiten, wenn die Beschäftigten anzeigen, dass ihnen die Arbeit über den Kopf wächst? In Neumünster regelt das eine Dienstvereinbarung. Warum sie notwendig war? Weil die Beschäftigten immer wieder beobachteten, dass ihre Anzeigen in den Schubladen ihrer Chefs verschwanden oder neben einem Antwortschreiben keine Reaktion erfolgte.

Es ist so eine Sache mit Überlastungsanzeigen: Eigentlich sind die Beschäftigten dazu verpflichtet, immer anzuzeigen, wenn sie die ihnen aufgetragenen Arbeiten nicht schaffen. Und zwar rechtzeitig, damit der öffentliche Arbeitgeber entsprechend reagieren und die Arbeit anders verteilen kann. Nur so kann die Kommune sicherstellen, dass zum Beispiel Fristen eingehalten werden und die Stadt nicht wegen Unterlassung vor Gericht muss. Oder dass – wie beim Allgemeinden Sozialen Dienst – keine Notlage eines Kindes übersehen wird.

Doch es ist kein Geheimnis, dass sich die Beschäftigten mit solchen Anzeigen schwer tun – leider. Sie fürchten, dass ihnen das Eingeständnis, die Arbeit nicht zu schaffen, als Schwäche ausgelegt wird. Zudem haben einige Beschäftigte auch die Erfahrung gemacht: Einige Überlastungsanzeigen werden ernst genommen, viele landen in den Schubladen und einige gehen ganz verloren. Ergo: Auf eine Reaktion warteten die Beschäftigten meist vergebens. Und das, obwohl viele Beschäftigte erst dann eine Anzeige schreiben, wenn ihre Gesundheit schon beeinträchtigt ist, wenn der Kopf schmerzt und der Schlaf nicht mehr erholsam ist.

„Wir wollten, dass jede Überlastungsanzeige ernst genommen wird“, betont Neumünsters Personalratsvorsitzende Sabine Heidebrecht-Rüge. Dass was passiert. Genau das wird mit der Dienstvereinbarung sichergestellt. Dabei wird nicht nur die objektive Belastung eines Beschäftigten, sondern auch die subjektive Beanspruchung ernst genommen. „Es geht uns darum, dass immer genau hingeschaut und gefragt wird: Was sind die Gründe dafür, dass ein Beschäftigter Alarm schlägt.“

Allerdings klar muss auch sein: Vor einer Überlastungsanzeige müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Gespräch mit ihrer Führungskraft suchen, damit sie die Chance hat, die Arbeit anders zu verteilen. Erst wenn dann nichts passiert, lautet der nächste Schritt: Das Schreiben einer Überlastungsanzeige. Seit es die Dienstvereinbarung gibt, schreiben in Neumünster immer öfter mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeinsam eine Überlastungsanzeige. Damit lassen sie dem Vorwurf der individuellen Schwäche keinen Raum. Jede Überlastungsanzeige geht als Kopie an den Personalrat – was auch dazu beiträgt, dass keine Anzeige mehr verschwindet.

Liegt eine Anzeige vor, regelt die Dienstvereinbarung die nächsten Schritte: Sie holt alle Beteiligten an einen Tisch – Beschäftigte, die Abteilungsleitung, Personalrat, Personalabteilung und die Organisationsabteilung, die in Neumünster für die Personalbemessung zuständig ist. Dabei wird Tacheles geredet: Wo genau liegt die Belastung? Wie kann sie reduziert werden? Was meinen die Betroffenen selbst? Wenn keine konkreten Lösungen gefunden werden, trifft sich die Runde innerhalb eines Monats ein zweites Mal. Können auch im Zweitgespräch keine Lösungen erzielt werden, geht die Angelegenheit zur weiteren Behandlung und Entscheidung in den Verwaltungsvorstand , der sich aus zwei Stadträten und dem Oberbürgermeister zusammensetzt. „Wir haben klare zeitliche Fristen gezogen“, sagt Heidebrecht-Rüge. Damit die Regelungen verbindlich sind und nichts mehr auf den St. Nimmerleinstag verschoben werden kann. 

Seit 2013 existiert in Neumünster diese Dienstvereinbarung. Das vorläufige Fazit: Es läuft gut. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trauen sich seither viel eher, ihre Überlastung anzuzeigen. Schnell reagiert wird meist dann, wenn die Maßnahme erschwinglich ist. Schwierig wird es stets dann, wenn die Stadt Geld in die Hand nehmen müsste. Dennoch: Inzwischen interessiert sich auch die Politik für die Situation auf den Ämtern und die Zahl der Überlastungsanzeigen. In Sachen Flüchtlingshilfe waren es sogar die Vertreter der Kommunalpolitik, die sich zuerst für mehr Personal in diesem Bereich stark machten – noch bevor die Ämter aktiv wurden. Es gab drei neue Stellen.

Überlastungsanzeigen

Was in entsprechenden Dienstvereinbarungen fixiert wurde

Wie sieht eine Überlastungsanzeige aus? Was muss in Dienstvereinbarungen zum Umgang mit Überlastungsanzeigen stehen? Der Fachbereich Gemeinden stellt im Mitgliedernetz Formulare zu Überlastungsanzeigen und entsprechende Dienstvereinbarungen zur Verfügung.

https://mitgliedernetz.verdi.de/informativ