Personalrätepreis

Langweilig war gestern

Auszeichnungen

Personalrätepreis geht nach Dortmund

Personalversammlung privat Personalversammlung in Dortmund

Rede folgt Rede, alles ist längst gesagt, nur nicht von jedem.  Und so zieht es sich dahin. Personalversammlungen können langweilig sein. Organisatoren von Personalversammlungen planen deshalb eher mit kleinen Hallen. Denn sie wissen: Es kommt eh nur ein Teil der Beschäftigten. Kleine Hallen? Wenig Zulauf? Kein Interesse – von wegen. In Dortmund ist vieles anders. Vor allem die Personalversammlung. Und deshalb wurde der Dortmunder Personalrat auch für den Deutschen Personalrätepreis nominiert.  

Das Dilemma war nicht zu übersehen: Nicht nur, dass immer weniger Beschäftigte die jährliche Personalversammlung besuchten. Viele, die kamen, hielten nicht bis zum Schluss durch. Pitt Meyer, Personalratsvorsitzender der Stadt Dortmund, wollte dabei nicht länger zusehen. Weil es bei einer Personalversammlung nicht nur darum geht, dem Gesetz Genüge zu tun, das diese Versammlung in Nordrhein-Westfalen mindestens einmal pro Jahr vorschreibt. „Es geht um wichtige Informationen für die Beschäftigten“, betont auch Heike Samulewicz, Personalrätin in Dortmund. Mehr als ärgerlich, wenn der Personalrat die Kolleginnen und Kollegen nicht erreicht.

Was können wir tun, damit die Leute sich wieder für die Inhalte der Personalversammlung interessieren? Das war die Frage, die sich 2004 das gerade neu gewählte Gremium Personalrat in einer Arbeitstagung stellte. Die Antwort: Die Informationen müssen anders präsentiert werden. In der darauf folgenden Personalversammlung hielten nur noch der Oberbürgermeister und der Personalratsvorsitzende eine Rede – und sie fielen kürzer aus als die Jahre zuvor. Es wurden Fotos und Filme gezeigt, Experten interviewt, ein kleines Theaterstück aufgeführt, live zu einem Reporter geschaltet, da analysierte der Wetterbericht das Klima in der Stadtverwaltung – und es gab den Nachrichtenblock: Viele kleine Beiträge über dies und das, was in dem Jahr zuvor in den vielen Bereichen der Stadtverwaltung passierte. Die Personalräte, die die Versammlung organisierten, hatten sich Anregungen aus den aktuellen Fernsehsendungen geholt – mit Darstellern, die viele aus dem Rathaus kannten und Pitt Meyer als Regisseur.  

Alles kam gut an – auch oder gerade der Nachrichtenblock. Das zeigt: Die Kolleginnen und Kollegen wollen über ihren Tellerrand hinausschauen und wissen, was in den anderen 36 Fachbereichen der Stadt passiert. Schon die erste Personalversammlung der neuen Art zeigte: Der Schwund war wesentlich geringer als die Jahre davor, obwohl vor der Halle mal wieder der Weihnachtsmarkt lockte. Und die Personalversammlung wie früher auch um die drei Stunden dauerte. Dass die Personalräte mit der neuen Präsentation auf dem richtigen Wege waren, zeigte aber Personalversammlung am drauffolgenden Jahr: Die neue Präsentation hatte sich herumgesprochen. Mehr Kolleginnen und Kollegen als in den Jahren davor kamen und blieben. Zuletzt waren es 5 000 gegenüber weniger als 2000 zu Zeiten der klassischen Variante. Inzwischen reicht die eine Halle nicht mehr aus, das Geschehen im Saal muss in einen zweiten Saal übertragen werden.

„Klar macht das alles mehr Arbeit“, bestätigt Samulewicz. Es kostet mehr Zeit, Filme zusammenzustellen oder ein Theaterstück zu schreiben und einzustudieren – selbst wenn es sich nur um ein kurzes Theaterstück handelt –, als einen Programmablauf zusammenzustellen, indem Rede auf Rede folgt. Und: Es braucht spezielle Kenntnisse – zum Beispiel wie Kameras bedient und Filme geschnitten werden.  

Dass die neue Personalversammlung auf großes Interesse stößt, ist für die Crew, die die Personalversammlung plant und die Beiträge zusammenstellt, kein Grund, sich zurückzulehnen. „Wir arbeiten daran, die Veranstaltung weiter zu optimieren“, betont Samulewicz. Und das heißt: Wenn sich Abschnitte als wenig informativ, wenig unterhaltsam, also schlicht langweilig entpuppen, werden sie durch andere Elemente ersetzt. Die vielen positiven Rückmeldungen geben den Machern Recht.

Inzwischen hat sich die neue Form der Personalversammlung über die Stadtgrenzen hinaus rumgesprochen. Andere Städte wollen das Konzept kopieren. Weil auch die Personalräte dort nicht länger zuschauen wollen, dass die Kolleginnen und Kollegen den Weihnachtsmarkt, das drittklassige Fußballspiel oder eine Einkaufstour der Personalversammlung vorziehen.