JAV/PR-FORUM 2017

Digitalisierung: Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen

Veranstaltungen

JAV/PR-Forum 2017 in Magdeburg

JAV/PR-Forum 2017 Bender JAV/PR-Forum 2017

JAV- und PersonalräteFORUM des Fachbereichs thematisiert Herausforderungen der Digitalisierung – Intensive Diskussionen in Workshops unter anderem zur Arbeitsstättenverordnung und Winterdienst

Das ver.di-Vorstandsmitglied Wolfgang Pieper hat die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des JAV- und PersonalräteFORUMs 2017 des Fachbereichs Gemeinden auf eine harte Tarifrunde eingestimmt. Deshalb sei es wichtig, jetzt die Streikfähigkeit in den Betrieben herzustellen. Zudem appelliert Pieper an die Personalräte, in den Betrieben und Verwaltungen intensiv über die mögliche Forderungshöhe zu diskutieren.

Die Bundestarifkommission wird am 8. Februar endgültig darüber entscheiden, mit welcher Forderung ver.di in die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten des Bundes und der Kommunen gehen wird.

Etwa 150 Personalräte und Mitglieder der JAV (Jugend- und Auszubildendenvertretung) sind Ende Oktober nach Magdeburg zum JAV- und PersonalräteFORUM gekommen, das unter dem Motto „Arbeit der Zukunft im öffentlichen Dienst“ stand. Unter anderem ging es dabei um die Herausforderungen des demografischen Wandels und die Folgen der Digitalisierung. In 13 Foren wurde unter anderem darüber debattiert, wie im Arbeitsalltag Belastungen abgebaut werden können, über die Eingliederung von Mitarbeitern mit psychischen Erkrankungen, über die neue Arbeitsstättenverordnung und Mitbestimmung bei Arbeitsstättenfragen und über Arbeitszeitgestaltung im Winterdienst. Außerdem ging es in den Workshops um Handlungsmöglichkeiten und Grenzen der JAV-Arbeit in Tarifrunden und um die Aktivierung von Auszubildenden und Anwärterinnen und Anwärtern.

Pieper verwies darauf, dass der öffentliche Dienst in den vergangenen Jahren einen leichten Beschäftigungszuwachs verzeichnet. Allerdings gebe Deutschland mit 7,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts deutlich weniger für den öffentlichen Dienst aus als das europäische Durchschnittsland mit 10,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. „So gesehen leben wir schon immer den schlanken Staat“, sagt Pieper. Zudem ging er auf die sprudelnden Steuereinnahmen ein: In den vergangenen Jahren seien die Steuereinnahmen der öffentlichen Hand um rund vier Prozent pro Jahr gestiegen. Allerdings kommt das Mehr an Steuern bei den finanzschwachen Kommunen nicht an. Nach Piepers Worten wird ein Wirtschaftswachstum von rund zwei Prozent prognostiziert. Der öffentliche Dienst habe nach wie vor einen Nachholbedarf beim Entgelt von etwa vier Prozent.

Zudem ging Pieper auf die Empfehlung der Bundestarifkommission ein: Nach der Bundestarifkommission soll sich die Forderung für den öffentlichen Dienst in einem Gesamtvolumen von etwa sechs Prozent mehr Geld bewegen. Außerdem schlug sie unter anderem eine soziale Komponente sowie mehr Ausgleichstage für Schichtarbeiter vor. In den Betrieben und Verwaltungen finden derzeit Diskussionen über die Höhe der Forderung statt. Die Vorschläge aus den Betrieben und Verwaltungen fließen in die Endforderung mit ein.

Öffentlicher Dienst hat Attraktivität verloren

Als Vertreterin des Bundesfachbereichsvorstands betonte Katharina Lang, dass der öffentliche Dienst in den vergangenen Jahren an Attraktivität verloren hat. Als Indiz dafür wertet sie den Umstand, dass die Zahl der Bewerbungen für freie Stellen auch für Ausbildungsplätze deutlich zurückgingen. Aus dieser Analyse ergibt sich für Lang unter anderem, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten gesichert werden muss.

Deshalb werden nach ihren Worten angesichts sich ständig ändernder und zudem steigender Belastungen der betriebliche Arbeitsschutz, das Gesundheitsmanagement und die Prävention immer wichtiger. Digitalisierung dürfe nicht als Instrument für Rationalisierungen eingesetzt werden. Vielmehr soll Digitalisierung dazu genutzt werden, die Belastungen der Beschäftigten zu vermindern und die Dienstleistungen für die Bürgerinnen und Bürger zu verbessern. Für Lang müssen ferner die Anforderungen an die Arbeit der Zukunft im Wesentlichen betrieblich entwickelt, betrieblich eingebracht und durchgesetzt werden. 

Chanchen nutzen, Risiken begrenzen

Pieper hob die Bedeutung einer demokratischen digitalen Agenda hervor, die den Menschen in den Mittelpunkt stelle. Die Schlüsselfrage der Digitalisierung laute: Wer hat das Sagen in den digitalen Abläufen? Ganz klar: Es müsse der Mensch sein und nicht die Maschine. Die Digitalisierung, die bereits sehr weit fortgeschritten ist, ist für Pieper ein Prozess, der gestaltet werden kann und gestaltet werden muss. Im Zuge der Digitalisierung übernimmt der Computer Entscheidungen, die bisher der Mensch gefällt hat. Je mehr Entscheidungen aber der Computer fällt, desto weniger Kontrolle hat der Mensch über seine Tätigkeit. Gleichzeitig steigen die Kontroll- und Überwachungsmöglichkeiten der Beschäftigten durch den Arbeitgeber. Pieper betonte: Bei der Gestaltung gehe es darum, die Chancen dieser neuen Technologie zu nutzen und Risiken zu begrenzen.

Digitalisierung wird Wirtschaft und öffentliche Verwaltung durcheinanderwirbeln

Für Professor Jutta Rump werden die demografische Entwicklung und die Digitalisierung Konsequenzen für den Führungsstil und die Führungsstrukturen in den Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung haben. Vor den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der JAV- und PersonalräteFORUMs betonte Rump, die demografische Entwicklung habe auf unterschiedlichen Ebenen Auswirkungen auf die Arbeitswelt: Angesichts der Babyboomer birgt sie das Risiko des kollektiven Ausstiegs, zugleich sinkt der Anteil der Nachwuchskräfte. Die Unterschiedlichkeit der Sozialisationen nimmt zu, das Normalarbeitsverhältnis verliert an Bedeutung, die sozialen Sicherungssysteme müssen reformiert werden.

Die Digitalisierung wird nach Rumps Worten die Wirtschaft und die öffentliche Verwaltung komplett durcheinanderwirbeln. Die relevanten Fragen liegen ihrer Ansicht nach längst auf dem Tisch. Sie lauten: Wie verändern sich die Jobs entlang der Wertschöpfungskette? Wie wird die Arbeit organisiert sein? Für sie steht fest: Die Anforderungen an Kompetenzen und Qualifikation werden neu definiert. Ausbildungsinhalte, Tarifverträge, Betriebs- und Dienstvereinbarungen werden angepasst werden müssen. Und: Kollektiv geprägte Regelungen werden in Zukunft kaum noch von Bedeutung sein. An ihre Stelle werden modular ausgerichtete Reglungen und Mindeststandards treten.

Text: Jana Bender/November 2017

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