JAV/PR-FORUM 2016

Endlich Schluss mit Befristungen und Zwangsteilzeit

Veranstaltungen

Von wegen Gute Arbeit

Andrea Kühnemann Bender Andrea Kühnemann

Die Vorsitzende des ver.di-Fachbereichs Gemeinden, Andrea Kühnemann, hat die prekären Arbeitsverhältnisse im öffentlichen Dienst angeprangert. Eigentlich könne man meinen, im öffentlichen Dienst gibt es keine prekären Arbeitsverhältnisse, sagte sie vor den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des JAV-/PR-Forum 2016 in Magdeburg.  „Doch weit gefehlt“, weiß sie. Die Zahl der prekären Arbeitsverhältnisse nehme auch im öffentlichen Dienst stetig zu.

Sie wies zudem darauf hin, dass im öffentlichen Dienst weiter Stellen abgebaut werden. Der Abbau sei nur durch den Personalanstieg bei kommunalen Tageseinrichtungen für Kinder gebremst worden. Und während die Beschäftigtenzahlen im öffentlichen Dienst insgesamt sinken, steigt der Anteil der Teilzeitbeschäftigung. Und keine Frage: Es sind vor allem Frauen, die Teilzeit arbeiten. Kühnemann verweist darauf, dass die öffentlichen Arbeitsgeber immer wieder den fehlenden Fachkräftenachwuchs beklagen. Ihrer Ansicht nach wäre leicht gegenzusteuern – indem zum Beispiel in Kitas, bei den Schulverwaltungskräften oder in der klassischen Kernverwaltung die Arbeitszeit bis hin zu Vollzeit erhöht wird.

Doch es sind nicht nur die hohe Teilzeitquote, die Kühnemann kritisiert. Befristungen sind weiter gang und gäbe – vor allem bei den Ländern. Damit müsse endlich Schluss sein: „Die Attraktivität des öffentlichen Dienstes hat deutlich gelitten und wird weiterhin schlecht bleiben, wenn weiterhin Auszubildende nur befristet übernommen werden und auch neue Stellen immer nur befristet sind“, betont sie.

Kühnemann wertet auch schlechte Arbeitsbedingungen als prekäre Arbeitsverhältnisse. „Wir alle kennen Beispiele, bei denen Beschäftigte einfach nicht mehr können, die physisch und psychisch am Ende sind.“

Prekäre Bedingungen auch bei den Beamtinnen und Beamten: Es müsse endlich Schluss damit sein, dass Länder und Kommunen ihre Haushaltskassen durch die geringere Besoldung und längere Arbeitszeiten auf dem Rücken der Beamtinnen und Beamten sanieren. Das werde aber nur gelingen, wenn die Kolleginnen und Kollegen ihren Unmut über die Praxis der Länder und der Kommunen in die Öffentlichkeit tragen.