JAV/PR-FORUM 2016

Man muss auch mal verschlungene Wege gehen

Forum A1

Leistungsgewandelte Kolleginnen und Kollegen

Ralf Nix Bender Ralf Nix

Leistungsgewandelte Kolleginnen und Kollegen betrieblich integrieren – Praxisbeispiele und Empfehlungen

Referent:       Ralf Nix, ver.di-Bundesverwaltung

Moderation:  Klaus-Peter Becker

Man muss auch mal verschlungene Wege gehen

Das Interesse an diesem Forum war groß. Mit den rund 30 Teilnehmer/-innen gab es eine kurze Vorstellungsrunde, danach einen Erfahrungsaustausch zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) und zur Organisation und Wirkung des betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM). Ergänzend gab es Informationen über tarifvertragliche Regelungen für leistungsgeminderte Beschäftigte im TVöD, die im (ehemaligen) Arbeiter/-innenbereich beschäftigt sind.

Der Erfahrungsaustausch ergab, dass das betriebliche Gesundheitsmanagement inzwischen in vielen Betrieben und Dienststellen etabliert erscheint und es in einigen Kommunen auch Planstellen dafür gibt - einmal sogar mit entsprechender Qualifizierung zum/zur Gesundheitsmanager/-in. Projekt-, Arbeits- und Steuerungsgruppen sind verbreitet, Dienstvereinbarungen gibt es nur teilweise, bei der Stadt Hannover ist das BGM Gegenstand einer haustarifvertraglichen Regelung.

Der inhaltliche Schwerpunkt liegt aber nicht immer auf der Verhältnisprävention, oft wurden vor allem Maßnahmen wie Yogakurse, Rückenschule und Gesundheitstage benannt und diskutiert, ob diese Angebote wirklich bei den Kolleg/-innen „ankommen“ und wie ihre Wirkung ist. Positiv aufgefallen sind die „Argus-Teams“ in Wolfsburg, deren Schwerpunkt vor allem in der Arbeitsplatzbegehung und –beratung liegt.

Klar wurde, dass das Betriebliche Gesundheitsmanagement nicht isoliert betrachtet werden darf, auch wenn es oft kleinteilig erfolgt. Es steht in engem Zusammenhang mit der Personal- und der Qualitätsentwicklung und ist auch wichtig für die Personalgewinnung im öffentlichen Dienst – gerade angesichts der demografischen Entwicklung. Deutlich wurde auch, dass ein wirksames und systematisches BGM sich nur dort entwickeln kann, wo es den politischen Willen zur Sicherung der erforderlichen Ressourcen gibt und die Bereitschaft, Verantwortung im BGM zu übernehmen.

Der Austausch zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement zeigte vor allem zwei Probleme: die nicht immer gegebene Akzeptanz bei den Kollegen und Kolleginnen  und die konkreten Schwierigkeiten, für leistungsgewandelte Beschäftigte insbesondere aus den handwerklich-technischen Bereichen andere gleichwertige Arbeitsplätzen zu finden. Hier macht sich der Stellenabbau im Öffentlichen Dienst bemerkbar – Arbeitsplätze mit geringer(er) Belastung gibt es keine mehr und eine gezielte „Umstiegsqualifizierung“ auch nicht. Mit viel Phantasie, Kreativität und Überzeugungsarbeit gelingt es aber, neue Aufgaben zum Beispiel im Bereich der Kontroll- und Prüfaufgaben zu identifizieren und zu bündeln, und damit weniger körperlich belastende Einsatzmöglichkeiten zu schaffen.

Zum Problem der damit oft verbundenen Einkommeneinbußen gab es ergänzende Informationen. Zwar konnten die tariflichen Regelungen aus dem alten Bundesangestelltentarifvertrag (BAT) für leistungsgewandelte Beschäftigte aufgrund der strikten Ablehnung der Arbeitgeberseite nicht in den TVöD überführt werden, aber in der Tarifrunde 2014 ist es gelungen, wenigstens für den (ehemaligen) Arbeiter*innenbereich unter bestimmten Voraussetzungen die Anwendung der Altregelung zu vereinbaren (siehe Materialsammlung).

Bericht: Renate Brauer