JAV/PR-FORUM 2016

Regelmäßige Pausen sind die beste Burnout-Prävention

Vorbeugung gegen Burnout-Prävention

Dr. Anja Gerlmaier privat Dr. Anja Gerlmaier

Vorbeugung ist besser als heilen – so sieht es Burnout-Expertin Dr. Anja Gerlmaier vom Institut Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg/Essen.  Als Burnout-Prävention empfiehlt sie, die Arbeitsbedingungen und die Arbeitsgestaltung unter die Lupe zu nehmen.  „Jeder muss schauen, wo sich was drehen lässt“, sagt sie, damit der tägliche Stress nachlässt. Und sie rät: Die regulären Pausen einhalten und zudem kurze zusätzliche Unterbrechungen einplanen. Sie ist sich sicher: die Beschäftigten arbeiten nicht weniger, wenn sie Pausen machen, sondern mehr, weil sie effektiver arbeiten.

Gerlmaier beschäftigt sich seit 18 Jahren mit dem Phänomen Burnout und sie gibt Seminare, in deren Mittelpunkt die Vermeidung eines Burnouts steht. Sie definiert Burnout als ein Gefühl, durch die Arbeit ausgelaugt, erledigt, ausgebrannt zu sein. Es schließt die individuelle Befürchtung mit ein, emotional zu verhärten.  Besonders in den Pflegeberufen werde diese Angst zu verhärten oft genannt. Burnout ist für Gerlmaier ein Prozess des Sich-Entleerens, das Erschöpfen der eigenen körperlichen und seelischen Reserven.  Wobei alle Berufsgruppen von Burnout betroffen sein können, nicht nur, aber vor allem Frauen und Männer, die in Interaktionsarbeit mit anderen Menschen stehen.

Wie sehen die Symptome von Burnout aus: Da ist das Gefühl, unendlich müde und energielos zu sein, extrem dünnhäutig, demoralisiert, ungeduldig, gleichgültig und/oder zynisch.  Der Burnout-Forscher Matthias Burisch verglich Burnout 1994 mit der Lichtmaschine eines Autos:  Burnout sei eine  langandauernd zu hohe Energieabgabe für eine zu geringe Wirkung bei ungenügendem Energienachschub.  Es sei etwa so, wie wenn eine Autobatterie nicht mehr über die Lichtmaschine nachgeladen wird, dennoch aber Höchstleistungen abgeben soll.

Gerlmaier sieht verschiede Stufen des Burnouts: In Stufe 1 sind die Betroffenen vielleicht nur gereizt. Passiert nichts, dann durchlaufen sie Stufe 2 mit Konzentrationsstörungen, mit Tunnelblick und Schlafproblemen über Stufe 3, die vielleicht schon mit einem Nervenzusammenbruch einhergeht, bis  zu Stufe 4 mit Angstzuständen und Widerwillen gegen alles – auch gegen sich selbst.

Stress hat Folgen – kurzfristig und vor allem langfristig. Stress muss vermieden werden – eigentlich. Obwohl Stress nicht als angenehm empfunden wird, ist Stress in der Arbeitswelt weit verbreitet: Ob Ärzte oder Lehrer, Wissensarbeiter, im Gesundheitsdienst oder Pflegeberufe – Untersuchungen zufolge sehen sich zwischen 36 und 41 Prozent der Beschäftigten unter Stress.  Nach einer DGB-Studie aus dem  Jahr 2012 fühlen sich 44 Prozent der Beschäftigten nach der Arbeit leer und ausgebrannt;  38 Prozent der Beschäftigten konnten sich in den letzten vier  Wochen in ihrer arbeitsfreien Zeit nicht erholen – wobei, Beschäftigte mit einer hohen Arbeitszeitbelastung verzichteten besonders häufig auf Erholungsurlaub.  Dieser Verzicht auf den Urlaub und damit auf die Pause, auf den Abstand von der Arbeit, hat nach Gerlmaier fatale Folgen. Denn damit wird der Teufelskreis der Erholungsunfähigkeit in Gang gesetzt.

Was stresst die Kolleginnen und Kollegen? Termin- und Zeitdruck wird bei Befragungen genannt, aber auch schlechtes Führungsverhalten belastet enorm – ebenso wie mangelnde Planbarkeit der Arbeitszeit, mangelnde Aufstiegsmöglichkeiten und störende Unterbrechungen in der Arbeit.

Im öffentlichen Dienst beklagen die Beschäftigten vor allem den hohen Zeitdruck, dem sie sich ausgesetzt sehen.  Jeder dritte Befragte nannte bei einer DGB-Befragung 2009 den Zeitdruck als belastend. Über 40 Prozent dieser Befragten sehen die knappe Personalbemessung als Ursache für den Zeitdruck, über 28 Prozent nannten zu viele gleichzeitig zu erledigende Aufgaben. Nur 25 Prozent der Beschäftigten mit hohem Zeitdruck sehen sich in der Lage, unter ihren derzeitigen Arbeitsbedingungen bis zur Rente arbeiten zu können.

Für Gerlmaier gibt es aber Ressourcen, mit denen Stress vermindert werden kann. Sie nennt dabei unter anderem die soziale Unterstützung durch Kolleginnen und Kollegen, den jeweiligen Gestaltungsspielraum am Arbeitsplatz und das Führungsverhalten. Wichtig in diesem Zusammenhang ist aber auch das Wissen um die Gefahren von Stress und die Fähigkeit, Belastungen zu reduzieren und Ressourcen aufzubauen.  Zudem können – zumindest in den Anfangsstufen eines Burnouts - Zeitmanagement und die Erholungskompetenz des Einzelnen dem Stress entgegenwirken.

Wirksam sind nach Gerlmaiers Darstellung auch integrative Konzepte zur Stressprävention die Einführung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements, die an den Verhältnissen ansetzen und den Blick auf den/die  Einzelne/n haben. Solche Konzepte könnten sehr wirksam sein, weiß die Wissenschaftlerin, sie würden aber kaum durchgeführt. Was kann der Einzelne tun? Gerlmaiers Antwort ist so klar wie einfach: Pausen machen. Erstmal das jeweilige Pausenverhalten überprüfen? Mache ich weniger Pausen, wenn ich in Zeitdruck bin? Mache ich überhaupt Pausen? Dann ganz bewusst Pausen während des Arbeitstages einplanen, sich Tricks ausdenken, damit auch kurze Unterbrechungen  Teil des Arbeitstages werden. Und sich immer bewusst machen: Wenn ich Pausen mache, arbeite ich nicht weniger. Ich arbeite nach der Pause deutlich effektiver und bin letztendlich schneller mit der Aufgabe fertig. Nicht nur die Beschäftigen sollten sich diese Weisheit einprägen, sondern auch die Chefs.