JAV/PR-FORUM 2014

Fit für die Zukunft!

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JAV-/PR-FORUM 2014

Nur eine starke Interessenvertretung sorgt für Gute Arbeit und Gute Ausbildung
JAV/PR-FORUM 2014 Bender JAV-/PR-FORUM 2016

Die Ausbildung für den öffentlichen Dienst ist antiquiert, Personalentwicklung fristet ein Schattendasein und die Politik sorgt nicht für eine angemessene Finanzausstattung der öffentlichen Hand. So gesehen sind die Voraussetzungen für den öffentlichen Dienst alles andere als gut, um die Herausforderungen wie demografischer Wandel zu meistern. Doch gerade deshalb setzt ver.di auf eine starke Interessenvertretung der Beschäftigten. Denn nur sie kann dazu beitragen, dass sich die Rahmenbedingungen für die Ausbildung, die Weiterbildung verbessern. Dass gute Ausbildung, gute Arbeit und gutes Personal nicht für lau zu haben sind, steht außer Frage.

Ist der öffentliche Dienst fit für die Zukunft? Bildet er genügend Nachwuchskräfte aus? Stimmen die Ausbildungsinhalte? Und wie attraktiv sind Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst wirklich? All das sind die entscheidenden Fragen für die Sicherung der Daseinsvorsorge. Und deshalb standen sie im Mittelpunkt des JAV (Jugend- und Auszubildendenvertretung)- und Personalräte-FORUM 2014 Mitte Oktober in Magdeburg, das unter dem Motto „Starke Interessenvertretungen für Gute Arbeit und Gute Ausbildung“ stand. In den Foren wurde zudem über Strategien der Mitbestimmung diskutiert, über Personalbemessung, Mitbestimmungsrechte bei der Eingruppierung und welche Möglichkeiten es gibt, Befristungen zu begrenzen.

Für den emeritierten Professor der Wirtschafts- und  Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam, Christoph Reichard,  muss die Ausbildung für den öffentlichen Dienst dringend reformiert werden. Obwohl sich die Aufgaben in den vergangenen 20 Jahren verändert hätten, seien die Ausbildungsinhalte gleich geblieben. Zudem kritisiert er die Rechtslastigkeit der Ausbildung. Die jungen Leute müssten vor allem Vorschriften und Gesetze pauken. Auch im gehobenen Dienst dominieren die Juristen. „Juristen stellen Juristen ein“, bedauert er. Auf die Aufgaben des Arbeitsalltags wie den Umgang mit den Bürgerinnen und Bürgern würden sie dagegen nicht vorbereitet.

Claas Hübner, Ausbildungsleiter beim WSA (Wasser- und Schifffahrtsämter) in Deutschland, pflichtet Reichard bei. Die Ausbildung sieht er als den untersten Baustein und als Steuerungsinstrument. Der öffentliche Dienst muss  sein Personal selbst ausbilden, weil er es auf dem Arbeitsmarkt nicht einkaufen kann. Deshalb müsse sich der öffentliche Dienst nicht nur eine gute Ausbildung im Auge haben, sondern auch weit mehr als bisher Personalentwicklung betreiben.

Renate Sternatz, Bereichsleiterin Gemeinden,  erinnert an die derzeitigen Verhandlungen um die Entgeltordnung für bestimmte Bereiche, die Verhandlungen für die Zusatzversorgung und die bevorstehende Tarifrunde um die Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe. Der geltende Tarifvertrag für den Sozial- und Erziehungsdienst wurde zum 31. Dezember 2014 gekündigt.

Für Sternatz steht die Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe auch für eine  gerechtere Bewertung von frauendominierten Berufen. Denn 96 Prozent der Beschäftigten in Sozial- und Erziehungsberufen sind Frauen, in den letzten Jahren sind die beruflichen/fachlichen Anforderungen an die Tätigkeiten sowie die Ausbildung stark gestiegen. Nach wie vor werden diese Berufe im Vergleich zu männerdominierten Berufen, wie Ingenieuren schlechter bezahlt. Der Hintergrund: Fähigkeiten, die Frauen zugeschrieben werden wie Empathie werden für diese Berufe zwar dringend gebraucht, sie werden aber nicht ausreichend honoriert.

ver.di-Vorstandsmitglied und Leiter der Bundesfachbereiche Bund/Länder sowie Gemeinden, Achim Meerkamp, nahm die Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst in den Blick. Gebraucht werden seiner Ansicht nach gesetzliche und tarifliche Regelungen, um die Arbeitsbelastung und die Mitsprache der Beschäftigten zu verbessern. Er verwies auf die Ergebnisse des DGB-Index Gute Arbeit, wonach zwei Drittel der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes über eine steigende Arbeitsbelastung klagen. Gleichzeitig steige bundesweit die Zahl der Krankentage und der Anteil der Frühverrentung, die durch Burnouts, Arbeitsstress und weitere psychische Fehlbelastungen verursacht. Längst ist der Zusammenhang zwischen Arbeitsintensivierung und Gesundheitsgefährdung bekannt.

Die Analysen bestätigten, was die Beschäftigten seit langem beklagten – nämlich dass der öffentliche Dienst längst die Rolle des vorbildlichen Arbeitgebers abgestreift habe. „Der öffentliche Dienst ist stark wirtschaftlich ausgerichtet“, sagte er – mit den entsprechenden Folgen für die Arbeitsbedingungen. So wurden in den 90er Jahren und zu Beginn dieses Jahrtausends Stellen abgebaut, die Arbeit wurde auf weniger Schultern verteilt, Arbeitsverdichtung sei deshalb in nahezu allen Bereichen zu beobachten.

Hinzu kommt: Der Staat habe auch seine Rolle neu definiert. Er orientiere sich eher an der kostengünstigen Erbringung von Leistungen als an der Qualität der Beschäftigung. Dass eine hohe Qualität öffentlicher Güter nur auf der Basis von gesichertem Beschäftigungsstatus und Menschenrechten gewährleistet werden kann, diese Maxime spiele eine immer geringere Rolle.

Mehr Berichte über das Forum stehen hier: https://gemeinden.verdi.de/themen/jav-pr-forum/jav-pr-forum-2014