JAV/PR-FORUM 2014

Gute Arbeit ist roter Faden der Gewerkschaftsarbeit

JAV/PR-Forum

Bsirske: Sozial ist, was Gute Arbeit schafft

Frank Bsirske Bender Frank Bsirske

Das Bild in der Gesellschaft hat sich gewandelt – die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger ist inzwischen mit uns zusammen der Meinung: Von einer Vollzeitarbeit muss man leben können. Dass dies so ist, ist nicht zuletzt auch unser Verdienst“. Damit ist zugleich klar: Die Einstellung der Bevölkerung hat sich von „Sozial ist, was Arbeit schafft“ hin zu „Sozial ist, was gute Arbeit schafft“ gewandelt, zeigt sich Frank Bsirske überzeugt.

Mit Blick auf Befragungen der Beschäftigten zu Guter Arbeit verweist Bsirske darauf, dass jeder zweite Befragte im öffentlichen Dienst sich nicht vorstellen kann, bis zur Rente seinen Beruf auszuüben. „Früher war der öffentliche Dienst Garant für gute Arbeitsbedingungen“, so Bsirske, inzwischen habe sich auch der öffentliche Dienst auf ein Niveau gebracht, das heißt, er unterscheide sich nicht mehr von der Wirtschaft. Dennoch: Ob Kitas, Krankenhäuser, Abfallwirtschaft oder Verwaltung – im öffentlichen Dienst identifizierten sich überdurchschnittlich viele Beschäftigte mit ihrer Tätigkeit. Weil sie davon überzeugt sind, dass sie eine Tätigkeit ausüben, die anderen nützt, und sie erfahren öffentliche Bestätigung, so Bsirske.

In diesem Zusammenhang nimmt Bsirske Privatisierungen in den Blick: Nach Privatisierungen ist die Dienstleistung nicht besser und billiger, sondern meist schlechter und teurer, sagt er. Das Wissen um diesen Umstand spiegelt sich im Selbstbewusstsein der Beschäftigten wider; sie sind stolz auf das, was sie tun; die Arbeit ist sinnstiftend, 90 Prozent der Beschäftigten identifizieren sich mit ihrer Arbeit. Dennoch stöhnen viele von ihnen über die zunehmende Hetze, die die Arbeit mit sich bringt, und über Abstriche bei der Qualität der Arbeit.

Dass die Aufgabenmenge stetig zunimmt ist, laut Bsirske, die Folge des Personalabbaus im öffentlichen Dienst. Die Arbeitsverdichtung wiederum hat psychische Erkrankungen als Konsequenz. Psychische Erkrankungen zählen inzwischen zu den Hauptursachen für Erwerbsunfähigkeit.

Dass sich die Arbeitsbedingungen gerade im öffentlichen Dienst verbessern müssen, steht für den ver.di-Vorsitzenden außer Frage: Gute Arbeit muss deshalb der rote Faden der Gewerkschaftsarbeit sein, betont er. Wobei verschiedene Felder beackert werden müssen:  Personalbemessung in den Kitas oder in den Kliniken, die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt oder die Herausforderungen des demografischen Wandels. „Wir brauchen Nachwuchs“, betont er, was immer auch mit Arbeitsbedingungen, mit Gehaltsniveau und Altersversorgung zu tun hat.

Und das alles steht wiederum im Zusammenhang mit der Finanzsituation der öffentlichen Haushalte. Das heißt: Sind der Bund, die Länder und die Kommunen zu schwach finanziert, kommen zwangsläufig auch Bildung, Pflege oder andere öffentliche Aufgaben zu kurz. Ist die öffentliche Hand unterfinanziert, wird auch an den Beschäftigten gespart.

Bsirske richtet damit die Aufmerksamkeit auf die Schuldenbremse und die Reform des Länderfinanzausgleichs. Und er dringt darauf, dass die Politik die Finanzierung notwendiger öffentlicher Aufgaben sicherstellt. Wobei endlich das Prinzip gelten muss: Wer bestellt bezahlt. Weder die Länder noch der Bund sollen Aufgaben definieren, die die Kommunen bezahlen müssen. Zugleich muss der Steuervollzug verbessert und ein Altschuldenfonds eingerichtet werden. Bsirske pocht auch darauf, dass die Kommunen Zeit bekommen, um sich auf eine schrumpfende Einwohnerzahl einzustellen, dass das Geld des Solidarpakts nicht per Gießkanne ausgeschüttert, sondern dahin fließt, wo es am dringendsten gebraucht wird. Und er appelliert an die Personalräte des Forums, sich einzumischen und sich damit im Betrieb, in der Verwaltung und in der Öffentlichkeit dafür einzusetzen, dass die Reform des Landesfinanzausgleichs in die „richtige Richtung geht“.