JAV/PR-FORUM 2014

Beispiele und Grenzen für mobiles Arbeiten

Forum A 4

Mobilität: Negative Auswirkungen gering halten

Forum A 4 Bender Forum A 4

Referent:     Sören Brodersen, Institut für betriebliche Gesundheitsförderung, Köln

Moderation: Simona König

Mobilität im Berufsleben hat es schon immer gegeben, erlebt aber jetzt durch immer neue Ideen, wie die Beschäftigten zu den Kundinnen und Kunden gelangen können, statt anders herum einen Aufschwung – auch und gerade in der öffentlichen Verwaltung. Aber wie bei allen Entwicklungen in der Arbeitswelt, bietet die mobile Arbeit nicht nur vielfältige Chancen – sie birgt auch erhebliche (gesundheitliche) Risiken.

Unter Mobilität werden alle Formen von räumlicher Mobilität gezählt, also Ortswechsel von Menschen auf Grund ihrer Erwerbstätigkeit. Dazu zählen mobil arbeitende Menschen (Außendiensttätigkeiten, egal ob ganz oder teilweise) ebenso wie Fernpendler, als zwei Unterarten der mobilen Arbeit, mit denen sich das Forum 4 beschäftigt hat.

Die durch die Erwerbstätigkeit geforderte Mobilität nimmt vielfältigen Einfluss auf die Betroffenen. Mobilitätskompetenz beschreibt, wie gut oder schlecht jemand mit der von ihr/ihm verlangten Mobilität zurechtkommt, ob sie sich positiv auf den Menschen auswirkt oder zur krank machenden Belastung wird. Darauf haben viele Faktoren Einfluss – und deren Auswirkungen sind so individuell wie die Menschen und auch das jeweilige Unternehmen sind. Außerdem verändert sich diese Mobilitätskompetenz im Laufe der Zeit immer wieder, die Faktoren verschieben sich in ihrer Wertigkeit, fallen weg oder es kommen neue hinzu, mal hängen die Faktoren mit dem Individuum und dessen Umfeld zusammen, mal mit den Rahmenbedingungen, auf die die/der Betroffene selber keine Einflussmöglichkeiten hat.

Um die negativen Auswirkungen aller Formen von Mobilität im Erwerbsalltag so gering wie möglich zu halten, müssen die von ihr betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein hohes Maß an Eigenverantwortung tragen und die Arbeitgeberseite die Rahmenbedingungen so an die individuellen Anforderungen der Beschäftigten und des Unternehmens anpassen, damit so wenig Reibungsverluste wie möglich entstehen.

Die gesundheitsgefährdenden Belastungen bei mobiler Arbeit unterscheiden sich stark von denen „stationär“ beschäftigter Menschen. Diese müssen individuell für jede Art der Tätigkeit erfasst werden, wobei ein hohes Maß an Aufmerksamkeit den psychischen Faktoren gewidmet werden muss. Der Stau auf dem Weg zur Arbeit oder zwischen zwei Terminen entzieht sich jeder Einflussmöglichkeit, verursacht aber viel Stress. Der Mensch ist zur Untätigkeit verdammt, die Zeit fehlt dann beim Termin, der Arbeitsdruck steigt – die Zeit wird für Telefonate genutzt, womit das Unfallrisiko steigt.

Beispiel für dieses Zusammenspiel von Eigenverantwortung und Rahmenbedingungen: die Pausenregelung beim klassischen Außendienst: Die Pausen können vom Arbeitgeber noch so gut und genau geregelt sein – oftmals umgehen die mobil arbeitenden Beschäftigten diese Regelungen  und schaden sich auf Dauer damit selbst. Hier wird das hohe Maß an Eigenverantwortung deutlich. Demgegenüber existiert auf Arbeitgeberseite oft eine gewisse Misstrauenskultur gegenüber den mobil arbeitenden Beschäftigten – da sie einer direkten Kontrolle durch die Art ihrer Tätigkeit entzogen sind. Dieser Kontrollverlust soll oft durch einen erhöhten Bürokratieaufwand zum Nachweis der ausgeführten Tätigkeiten ausgeglichen werden, der allen Betroffenen das Leben zusätzlich erschwert.

Das Forum hat sich außerdem mit der Thematik der FernpendlerInnen beschäftigt. Dabei definiert sich das Fernpendeln nicht über die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, sondern wie lange die/der Betroffene für die Fahrt zwischen diesen beiden Orten braucht. Wer länger als 45 Minuten unterwegs ist, gilt als Fernpendler. So kann aus einem normalen Beschäftigten durch den üblichen Feierabendstau eine Fernpendlerin/ein Fernpendler werden. Hier wäre eine Möglichkeit, die Arbeitszeiten in so weit zu flexibilisieren, dass die Stoßzeiten umgangen oder auf Zugfahrzeiten angeglichen werden könnten.

Bei allen Formen der Mobilität eine Balance zwischen den Interessen der Beschäftigten und denen des Unternehmens zu finden, ist eine große Herausforderung und unterliegt der ständigen Überprüfung durch und vor allem mit allen Beteiligten einschließlich der gesetzlichen Interessensvertretungen. Sowohl ArbeitgeberInnen als auch Beschäftigte können auf viele der mit der geforderten Mobilität verbundenen Belastungen reagieren und diese zumindest minimieren, wenn nicht sogar ganz ausschalten. Dabei müssen die Lösungen in einem erhöhten Maße individualisiert werden, als dies heute oftmals der Fall oder möglich ist. Die Einbeziehung der Beschäftigten und eine gute und transparente Kommunikation sind hier die Erfolgsfaktoren. Auch die Einbeziehung der Mobilität ins Betriebliche Gesundheitsmanagement kann ein guter Weg sein, hier Sensibilität zu schaffen und Änderungen herbeizuführen.

Hier ist es auch die Aufgabe der gesetzlichen Interessenvertretungen diesen Prozess anzustoßen, sich einzubringen und dafür Sorge zu tragen, dass hier immer wieder von neuem darauf geschaut wird, ob die Rahmenbedingungen für die mobile Arbeit noch den Anforderungen aller Beteiligten entsprechen.

Bericht: Tanja Krönert