JAV/PR-FORUM 2014

Arbeitsbelastung im öffentlichen Dienst steigt

Bessere Arbeitsbedingungen

ver.di-Vorstandsmitglied Meerkamp dringt auf gesetzliche wie tarifliche Regelungen
Achim Meerkamp Bender Achim Meerkamp

Die Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst bleiben für ver.di-Vorstandsmitglied Achim Meerkamp weiter ganz oben auf der Agenda des Bundesfachbereichs Gemeinden. Seiner Ansicht nach werden gesetzliche und tarifliche Regelungen gebraucht, um die Arbeitsbelastung und die Mitsprache der Beschäftigten zu verbessern.

Vor den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des JAV (Jugend- und Auszubildendenvertretungen)- und Personalforums 2014 verwies er auf die Ergebnisse des DGB-Index Gute Arbeit, wonach zwei Drittel der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes über eine steigende Arbeitsbelastung klagen. Gleichzeitig steige bundesweit die Zahl der Krankentage und der Anteil der Frühverrentung, die durch Burnouts, Arbeitsstress und weitere psychische Fehlbelastungen verursacht. Längst ist der Zusammenhang zwischen Arbeitsintensivierung und Gesundheitsgefährdung bekannt.

Meerkamp verwies auch darauf, dass Analysen bestätigen, was die Beschäftigten seit langem beklagten – nämlich dass der öffentliche Dienst längst die Rolle des vorbildlichen Arbeitgebers abgestreift habe. „Der öffentliche Dienst ist stark wirtschaftlich ausgerichtet“, sagte er – mit den entsprechenden Folgen für die Arbeitsbedingungen. So wurden in den 90er Jahren und zu Beginn dieses Jahrtausends Stellen abgebaut, die Arbeit wurde auf weniger Schultern verteilt, Arbeitsverdichtung sei deshalb in nahezu allen Bereichen zu beobachten.

Hinzu kommt: Der Staat habe auch seine Rolle neu definiert. Er orientiere sich eher an der kostengünstigen Erbringung von Leistungen als an der Qualität der Beschäftigung. Dass eine hohe Qualität öffentlicher Güter nur auf der Basis von gesichertem Beschäftigungsstatus und Menschenrechten gewährleistet werden kann, diese Maxime spiele eine immer geringere Rolle.

Deutlich werde dies vor allem bei prekär Beschäftigten. Ihre Teilhabe- und Selbstbestimmungsmöglichkeiten seien hochgradig gemindert. Wobei niemand aus freien Stücken für einen Lohn arbeitet, der zum Leben nicht reicht. Solange die Beschäftigten auf die Bedingungen selbst keinen Einfluss darauf nehmen können, unter denen sie arbeiten, sind sie für Meerkamp im eigentlichen Sinne auch nicht beteiligt.

Was können Gewerkschaften, was kann ver.di nun tun? Das Konzept Gute Arbeit zeigt laut  Meerkamp die Zusammenhänge und den Handlungsbedarf auf drei Ebenen: So ist der Ausbau der gesetzlichen Regelungen notwendig, damit die Einzelnen in der Arbeitswelt überhaupt Gestaltungsmöglichkeiten haben. Zudem müssen tarifliche Vereinbarungen zum Belastungsschutz erarbeitet und durchgesetzt werden. Wobei die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Form von Beschäftigtenbefragungen beteiligt werden. Im Betrieb müssen die Mitgestaltungsmöglichkeiten der Beschäftigten gestärkt werden – sowohl über die Interessenvertretungen als auch unmittelbar an den Arbeitsplätzen.