JAV/PR-FORUM 2013

Stadtinterne Personalagentur und Akquise von Drittmitteln

Forum A 1

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Referentin: Eveline Draht, stellvertretende Leiterin der Personalagentur, Stadt Dortmund

Moderation: Tanja Krönert

Querdenken groß geschrieben – stadtinterne Personalagentur schafft neue Perspektiven

Was tun, wenn der Stadtsäckel leer ist und freiwillige Dienstleitungen gekürzt werden müssen? Was tun, wenn Schwimmbäder an Vereine übertragen werden und Schwimmmeister/-innen und Servicekräfte ihren  Arbeitsbereich verlieren? Oder die Erzieherin aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr mit Kindern arbeiten kann?

Hier ist Kreativität gefragt, um neue berufliche Perspektiven zu entwickeln.

Die Stadt Dortmund hat mit Unterstützung der Personalvertretung eine Organisationseinheit geschaffen, deren Mitarbeiter/-innen sich umfassend und mit viel Herzblut um die – so die Betroffenen – „Rationalisierungsopfer“ und Leistungsveränderten kümmern. „Vorhandene Kompetenzen, persönliche Interessen und betriebliche Bedarfe werden betrachtet. Eine neue Berufsperspektive wird mit den Betroffenen gemeinsam entwickelt. Mit einer individuellen Qualifizierung und einer engen Begleitung durch Fallmanagerinnen werden die Betroffenen auf die neuen beruflichen Herausforderungen vorbereitet. Alles auf freiwilliger Basis mit dem Ziel einer möglichst gleichwertigen Umsetzung der angesichts der neuen Perspektive hochmotivierten Kolleginnen und Kollegen.

„Unter dem Stichwort Gute Arbeit entwickeln wir zudem berufliche Perspektiven für Dortmunder Arbeitslose“, so Eveline Draht, stellvertretende Leiterin der Personalagentur. Doch wie kann die Finanzierung sichergestellt werden? Wer kann sich beteiligen, woher kommen Drittmittel?

Ein Projekt der Personalagentur ist die Qualifizierung von Quereinsteiger/-innen zu Erzieher/-innen. Eine Gesetzesänderung, die das Recht auf einen Betreuungsplatz gewährleistet, führte zu einem Mehrbedarf an Fachkräften. In Kooperation mit dem Jobcenter Dortmund und der Agentur für Arbeit Dortmund wurden 500 arbeitslose, potenziell geeignete Dortmunder/-innen über das Qualifizierungsprojekt informiert, von denen sich einhundertachtzig beworben haben. Rund die Hälfte der Bewerber/-innen wurde zu einem Auswahlverfahren eingeladen. Im Rahmen eines umfassenden Profilings wurden 30 Personen (14 Männer, 16 Frauen, 12 der Teilnehmer/-innen mit Migrationshintergrund) ausgewählt, die mit Beginn der Maßnahme als pädagogische Hilfskräfte bei der Stadt Dortmund eingestellt wurden.

Bei einer schwierigen Haushaltssituation mal eben 30 zusätzliche Einstellungen? Wie können diese finanziert werden?

Das Rechenexempel ging auf: Der größte Teil der Kosten, knapp 1,7 Millionen Euro, wird aus Landesmitteln finanziert. In 30 geeigneten Tageseinrichtungen wurde die Gruppenstärke um zwei Kinder erhöht, das Land beteiligt sich nach dem Kinderbildungsgesetz durch Zahlung von so genannten Kindspauschalen an den Personalkosten. Die Agentur für Arbeit und das Jobcenter bringen sich durch die Gewährung von Eingliederungszuschüssen im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten ein. Weil die Frauen mit Beginn der Maßnahme überwiegend sofort aus den Sozialleistungen herausfallen, spart die Stadt die Kosten für die Unterkunft nach SGB II, die in die Finanzierung mit einfließen. Die restlichen Mittel bringt die Personalagentur in die Gesamtfinanzierung.

„Es ist sinnvoller in Arbeit als in Arbeitslosigkeit zu investieren“, so Eveline Draht, „welches Potenzial geht einer Stadt durch die vielen Arbeitslosen verloren?“

Dass es nicht einfach ist, neue Ideen umzusetzen, wenn sie zudem auch noch Geld kosten, ist wohl jedem klar. Es ist nicht einfach, über Jahre gewachsene Strukturen zu durchbrechen. Dennoch lohnt es sich! „Unsere Erfolge sind unser Motor“, sagt Eveline Draht, und ihre Augen strahlen dabei.

Bericht: Christine Wagner-Lange