JAV/PR-FORUM 2013

Instrumente einer gesundheitsfördernden Personalführung

Forum B 3

Marymar del Monte Bender Marymar del Monte

Den Menschen in den Mittelpunkt stellen

Referentin:    Marymar del Monte

Moderation: Thomas Herbing

Der Mensch muss bei aller Innovation in den Mittelpunkt gestellt werden – notwendige Voraussetzung für Führungskräfte ist dabei die Auseinandersetzung mit sich selbst. So lautete die Eingangsthese von Marymar del Monte, Referentin Forum „Instrumente einer gesundheitsfördernden Personalführung“. Ihre Darstellung eines gesundheitsunterstützenden Führungsstils wurde ergänzt durch spannende Einblicke, was wo im menschlichen Gehirn bei Lernprozessen und dem Erleben von Gefühlen passiert. So erfuhren die rund 50 TeilnehmerInnen, dass das Gehirn nicht zwischen körperlichem und seelischem Schmerz unterscheidet und warum eine lang anhaltende unkontrollierte Stressbelastung das Immunsystem unterdrückt und die Hirn- und Gedächtnisleistung verschlechtert.

Als Herausforderung für Führung wurden besonders vier Aspekte benannt: das Verständnis von Führung als Dienstleistung, die Förderung von Verantwortungsübernahme bei Beschäftigten, der Umgang mit Instabilität und Krisen und die Gestaltung der Beziehungen zwischen Beschäftigten und Führung und Beschäftigten untereinander. Als wesentlich für eine den Beschäftigten zugewandte Personalführung wurden die Art der Kommunikation, besonders das Zuhörenkönnen, der Umgang mit Übersetzungsfehlern und der Abbau von Kommunikationsbarrieren sowie vor allem das Vertrauen in die MitarbeiterInnen und ihre individuelle Wahrnehmung genannt. Eine betriebswirtschaftliche Bewertung unterschiedlichen Verhaltens wurde sehr anschaulich, aber nicht unwidersprochen anhand der unterschiedlichen Wege von Männern und Frauen beim Kauf einer Hose im Einkaufszentrum vorgenommen.

Einen besonderen Schwerpunkt legte die Referentin auf den salutogenetischen Führungsstil, der statt der Frage, was krank macht, die Frage „Wie und wodurch entsteht Gesundheit?“ stärker in den Blick nimmt. Für die Bewältigung von Aufgaben ist demnach die Sinnhaftigkeit, die Handhabbarkeit und die Verstehbarkeit wichtig. Anders ausgedrückt: Was ich tue, ist wichtig, ich kann es bewältigen und ich verstehe, warum es so ist – dieser Dreiklang ermöglicht erfolgreiche Führung und zufriedene Beschäftigte. Partizipation, Sinngebung, Transparenz und Kontakt kennzeichnen dementsprechend eine salutogenetisch orientierte Leitung. Verdeutlicht wurde dieser Ansatz durch die Schilderung des Gesundheitskonzepts einer Kindertageseinrichtung, bei dem zusammen mit den Beschäftigten Elemente wie Stressprävention, Gesundheitsziele und ein Belohnungssystem für gesundheitsaktives Verhalten entwickelt und erfolgreich praktiziert wurden. Daneben führten regelmäßige Personalentwicklungsgespräche sowie eine Kritik- und „Fehler“-freundliche Kultur zur signifikanten Verringerung der Ausfallzeiten und damit  auch zur betriebswirtschaftlichen Effizienz.

Für die von der Referentin eigentlich geplanten vertiefenden Wahrnehmungsübungen war das Forum eindeutig zu groß, und auch für die Diskussion blieb zu wenig Zeit, zum Beispiel über die erforderlichen Ressourcen für einen gesundheitsorientierten Führungsstil und über den häufig feststellbaren Widerspruch zwischen verkündetem Anspruch und erlebbarem Verhalten der eigenen Führungskräfte.

Bericht: Renate Brauer