Tarife

ver.di lehnt Eingriffe ins Leistungsrecht ab

Tarife 2016

Wichtiger Pfeiler der Altersvorsorge

Ralf Nix ver.di Ralf Nix

Die öffentlichen Arbeitgeber mäkeln an der Zusatzversorgung herum.  Bereits beim Auftakt der Tarifverhandlungen am 21. März 2016 haben die Arbeitgeber eine Entlastung bei den Kosten der Zusatzversorgung durch die Verschlechterung des Leistungsrechts gefordert. Ver.di hat  die Arbeitgeber davor gewarnt, ins Leistungsrecht der Zusatzversorgung einzugreifen. Warum die Zusatzversorgung gerade für die Arbeiterinnen und Arbeiter im öffentlichen Dienst von größter Bedeutung ist, erklärt Ralf Nix, Leiter der Bundesfachgruppe Gartenbau, Friedhöfe, Forsten und in der ver.di-Bundesverwaltung für die Arbeiterinnen und Arbeiter zuständig.

Die Zusatzversorgung ist ein wichtiges Standbein der Altersvorsorge für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes. Für die Arbeiterinnen und Arbeiter aber ist sie besonders Wichtig. Warum ist das so?

Nix: Erstmal: Es ist vollkommen richtig, dass die Zusatzversorgung für alle Beschäftigten des öffentlichen Dienstes von großer Bedeutung ist. Denn alle Beschäftigten sind von den Rentenkürzungen der vergangenen Jahre betroffen. Das durchschnittliche Rentenniveau liegt inzwischen bei weit unter 50 Prozent des letzten Nettoeinkommens. Allerdings: Wer gut verdient kann selbst zusätzlich für das Alter vorsorgen – er kann in eine Eigentumswohnung oder ein Häuschen investieren oder sonst eine Vorsorge betrieben. Für sie oder ihn ist die Zusatzversorgung schön, sie hebt die Altersbezüge an.

Für jemanden, der eher zu Beziehern unterer Einkommen gehört, ist die Zusatzversorgung existenziell. Obwohl sie Jahrzehnte gearbeitet haben, kommen sie meist nicht viel über die Grundsicherung hinaus. Aufgrund des niedrigen Einkommens wiederum reicht das Geld nicht aus, um selbst vorzusorgen. Die Zusatzversicherung garantiert, dass diese Kolleginnen und Kollegen im Alter über die Runden kommen. Deshalb ist sie so wichtig. Übrigens: Viele Frauen sind in den unteren Lohngruppen eingruppiert – Reinigerinnen zum Beispiel. Die Zusatzversorgung ist gerade für sie ein wichtiger Pfeiler der eigenen Altersvorsorge.

Aber die Zusatzversorgung hat nicht den besten Ruf.

Nix. Das stimmt. Leider. Dabei ist es offensichtlich. Keine private Altersvorsorge bringt so viel wie die Zusatzversorgung. Deshalb sind die Vorbehalte gegen die Zusatzversorgung völlig unbegründet. Hinzu kommt: Die Leistungen werden garantiert. Jeder Beschäftigte des öffentlichen Dienstes kann sich darauf verlassen, dass diese Zahlungen seine Rente aufstocken werden. Keine private Altersvorsorge kann das in der Höhe garantieren, wie es die Zusatzversorgung tut.

Die Arbeitgeber haben bereits bei den Tarifverhandlungen für die Länder die Zusatzversorgung auf den Tisch gelegt. Jetzt wollen sie es auch bei den Verhandlungen für die Beschäftigten des Bundes und der Länder tun.

Nix: Die öffentlichen Arbeitgeber wollen Geld sparen. Deshalb wollen sie die Leistungen aus der Zusatzversorgung kürzen. Das macht ver.di nicht mit. Denn es sind die garantierten Leistungen, mit denen die Beschäftigten rechnen und die sie brauchen, um im Alter ohne staatliche Unterstützung leben zu können. Deshalb: Die Rechnung der Arbeitgeber wird nicht aufgehen. Da können sie noch so lange über die Niedrigzinsen und die steigende Lebenserwartung klagen. Wir schlagen vor, dass wir uns jede einzelne Kasse anschauen. Denn nicht jede Kasse hat Probleme. Und dann suchen wir gemeinsam nach Lösungen, die die Leistungen außen vor lassen.

30. März 2016