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Was sagen die Kolleginnen und Kollegen?

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Sven Schwarzbach privat Sven Schwarzbach

„Wir wollen auch ein Stück vom Kuchen“  

„Wir sind mitten in der Vorbereitung der Tarifrunde 2018 und haben in unserer jüngsten Mitgliederversammlung erste Diskussionen darüber geführt, was wir uns als Forderung vorstellen. Die Empfehlungen der Bundestarifkommission sehen wir als Leitplanken – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wir werden diesen Diskussionsprozess jetzt forcieren, wobei so viele Kolleginnen und Kollegen zu Wort kommen und sich einbringen sollen. Denn jeder weiß: Nur wenn wir uns mit den Forderungen identifizieren, werden wir dafür kämpfen, dafür sogar streiken.

Was die Stimmung bei uns betrifft: Die Wirtschaft floriert, die Steuereinnahmen sprudeln und wir wollen auch ein Stück von diesem Kuchen. Auch weil die Lebenshaltungskosten steigen – vor allem die Mieten. Es ist für die Kolleginnen und Kollegen immer schwer nachzuvollziehen, mit welchem Faktor zusätzliche freie Tage zum Beispiel in die Einkommenserhöhung einberechnet werden. Aber wir wissen alle, dass die Regelungen zur Zusatzversorgung und die Entgeltordnung uns Geld gekostet hat – die Einkommenserhöhungen fielen magerer aus als sie hätten sein können.

Hier am Flughafen sind wir gut aufgestellt. Wir überlegen uns auch schon Aktionen. Weil die Erfahrung sagt, dass wir ohne Muskeln zu zeigen, vermutlich keinen Abschluss bekommen. In den vergangenen Tarifrunden haben sich bei solchen Aktionen auch immer Kolleginnen und Kollegen beteiligt, die nicht Noch-nicht-ver.di-Mitglieder waren. Das zeigt, der Rückhalt in den Belegschaften ist groß. Und natürlich haben wir auch während der Tarifrunde immer viele neue Mitglieder gewinnen können – gerade durch die Diskussionen und die Aktionen. Sven-Christian Schwarzbach, Flughafen Köln-Bonn

 

Sven Göbel privat Sven Göbel

Die unteren Lohngruppen müssen besonders profitieren

„Wir tauschen uns regelmäßig mit den Kolleginnen und Kollegen aus. Dabei zeichnete sich bisher ab: Im Fokus der Kolleginnen und Kollegen steht die Entgelterhöhung. Wobei immer mitschwingt, dass die unteren Lohngruppen besser gestellt werden müssen. Weil sie zum Beispiel die immer weiter steigenden Mieten besonders hart treffen. Die Jahr um Jahr steigenden Lebenshaltungskosten, wie die hohen Mieten haben zur Folge, dass es für die unteren Lohngruppen inzwischen zu einem Kunststück wird, in den Ballungsräumen zu leben. Kein Wunder, dass sich immer mehr einen Nebenjob suchen – denn ohne einen solchen Nebenjob reicht das Einkommen auch bei Vollzeit in den Städten kaum zum Leben. Da müssen wir ansetzen.

In den kommenden Wochen wollen wir die Diskussionen um die Tarifforderung noch intensivieren und bei den Ergebnissen ins Detail gehen. Wir wissen natürlich aber auch, dass die Bundestarifkommission letztendlich für uns alle entscheidet und dabei uns alle im Blick haben muss. Gleichzeitig werden wir die Tarifrunde weiter vorbereiten. Denn ganz klar: Wenn wir uns nicht bewegen, werden sich auch 2018 die Arbeitgeber nicht bewegen. Es wird Jahr um Jahr schwieriger, uns wird nichts geschenkt. Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir alle für den Erfolg der Tarifrunde stehen. Wir alle müssen uns einsetzen – vor und während der Tarifrunde.“     Sven Göbel, Stadt Heilbronn                              

 

Anja Daumann privar Anja Daumann

Wir müssen uns jetzt aufstellen

„Die Tarifrunde 2018 für Bund und Kommunen klopft schon hörbar an die Tür. Die ersten Termine für Auftaktveranstaltungen sind bekannt. Nun ist es an der Zeit, dass wir alle Mitglieder und die, die es werden wollen, abholen und motivieren, sich in die Tarifrunde 2018 mit einzubringen. Denn letztlich geht es um unser Geld und unsere Arbeitsbedingungen. Die Arbeitgeber schenken uns nichts.

In den kommenden Wochen müssen wir uns darauf einigen, mit welchen Forderungen wir in diese Tarifrunde gehen. Und vor allem müssen wir die Frage klären, ob wir uns auf eine reine Entgeltforderung konzentrieren oder ob uns darüber hinaus noch einiges auf den Nägeln brennt. Zum Beispiel Forderungen, die die Arbeitsbedingungen vor Ort verbessern. Aber wichtig ist: Es müssen unsere Forderungen sein, damit wir uns geschlossen hinter die Tarifkommission und die Verhandlungskommission stellen können, damit wir mit vielen Aktionen diese Tarifrunde voll unterstützen. Denn nur, wenn wir Stärke zeigen, wenn wir zeigen, dass es uns ernst ist, werden die Arbeitgeber auf unsere Forderungen eingehen.

Deshalb müssen wir uns jetzt aufstellen, unsere Forderungen diskutieren und auch schon über mögliche Aktionen reden und sie vorbereiten. Wir alle – je mehr, desto besser. Denn wir wissen alle: Nur gemeinsam sind wir stark.“  Anja Daumann, Landkreis Diepholz

 

Bela Marosi privat Bela Marosi

Die volle Angleichung von Ost zu West ist überfällig

„Für uns steht fest: Wir brauchen ein klares Signal in Richtung gleiche Bezahlung in Ost und West. Denn auch mehr als ein Vierteljahrhundert nach der Wiedervereinigung sind die Rahmenbedingungen immer noch nicht angeglichen. Das geht den Kolleginnen und Kollegen enorm gegen den Strich. Zum Beispiel wird in den ostdeutschen Bundesländern – man mag ja gar nicht mehr neue Bundesländer sagen, denn neu sind wir längst nicht mehr – eine Stunde die Woche länger gearbeitet als in den westlichen Bundesländern. Und auch das Einkommensniveau hat den Westen noch nicht erreicht. Damit muss Schluss sein. Wir alle hier brauchen ein Signal, dass die unterschiedlichen Arbeitsbedingungen zu Ende gehen. Die Kolleginnen und Kollegen hier in Ostdeutschland haben diese Ungleichheit vor zwei Jahren schon angeprangert. Wir wollen uns nicht länger vertrösten lassen.

Ansonsten muss neben der prozentualen Einkommenserhöhung die Jahressonderzahlung in den Blick genommen werden. Wir dürfen nicht zulassen, dass sie letztendlich auf Dauer abgesenkt wird. Auch das Leistungsentgelt muss in den Fokus. Denn die klare Forderung aus den Betrieben und Verwaltungen lautet: Dieser §18, der das Leistungsentgelt enthält, muss weg. Und natürlich stehen auch noch verschiedene Themen an, die in den großen Topf Demografie gehören, wie ein besserer Gesundheitsschutz und Regelungen zum alternsgerechten Arbeiten.“    Bela Marosi, Stadt Dresden 

 

Achim Schlömer privat Achim Schlömer

Kurze Tarifrunde bringt nur wenige Neu-Mitglieder

„Mit dem Ergebnis der Tarifrunde 2016 können wir zufrieden sein, was die Höhe des Abschlusses angeht. Hier in Nordrhein-Westfalen und in Köln haben wir in dieser Tarifrunde mit der neuen Strategie gearbeitet. Das heißt: Wir stellen noch mehr als früher unsere Mitglieder in den Mittelpunkt. Schon Monate bevor die Verhandlungen starteten, haben wir in den Betrieben und Verwaltungen über die mögliche Forderungshöhe heftig diskutiert: Über die Forderung, über unsere Strategie, wie wir Druck aufbauen wollen und vieles mehr. Diesen Weg wollen wir auch künftig genauso bestreiten. Diese Diskussionen kamen bei den Kolleginnen und Kollegen gut an.

Dennoch verzeichneten wir unterm Strich in dieser Tarifrunde zu wenige Neu-Mitglieder. Das lag vor allem daran, dass die Tarifrunde letztendlich sehr kurz war. Wir hatten zwei Streiktage: Beim ersten Warnstreik gingen wir weniger als vier Stunden raus, und damit gab es für die Mitglieder auch kein Streikgeld. Der zweite Warnstreiktag nahm den ganzen Tag ein – aber das war es auch schon. Letztendlich war der Arbeitskampf schlicht zu kurz, um viele Neu-Zugänge zu verzeichnen.

Sicher: Nicht alle Mitglieder, die während eines Arbeitskampfes oder während einer Tarifrunde zu uns kommen, bleiben auch bei der Stange. Manche treten auch wieder aus. Aber unterm Strich sehen wir schon, dass eine Tarifrunde uns Mitglieder bringt. Der Grund: Für die Kolleginnen und Kollegen ist es während einer Tarifrunde offensichtlicher, dass es die Gewerkschaft braucht und dass eine Gewerkschaft wiederum Mitglieder braucht. Ich glaube, dass die Kolleginnen und Kollegen zwischen den Tarifrunden ihren relativ sicheren Arbeitsplatz vor Augen haben, und die Notwendigkeit einer Gewerkschaft ist ihnen nicht so präsent. Das mag auch daran liegen, dass in Schule und Ausbildung nichts oder nur sehr wenig zur Bedeutung der Sozialpartnerschaften erfahren wird. Deshalb müsste in der Schule und in der Berufsausbildung das Thema Gewerkschaften und Sozialpartnerschaft wieder eine wichtigere Rolle spielen.“ Achim Schlömer, Stadt Köln