Weiterbildung

Auch bei der Weiterbildung ist der Fortschritt eine Schnecke …

Projekt § 5

Abschlusstagung

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Weiterbildung, Personalplanung und Personalentwicklung müssen angesichts der demografischen Entwicklung eine größere Rolle im öffentlichen Dienst einnehmen. Paragraf 5 des Tarifvertrages öffentlicher Dienst (TVöD) hat mit dem Anspruch auf ein Qualifizierungsgespräch Möglichkeiten eröffnet, die aber vielerorts noch nicht wahrgenommen werden. Gleichzeitig muss es darum gehen, Beschäftigte wie Vorgesetzte von der Notwendigkeit der permanenten Weiterbildung zu überzeugen.

Das Qualifizierungsgespräch ist fester Bestandteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu ihrem Chef oder ihre Chefin. In diesem Gespräch geht es ans Eingemachte, es wird diskutiert, wohin die Karrierereise gehen kann und gehen soll. Es wird besprochen, welche Weiterbildung der oder die Beschäftigte sich vorstellt und was sich der Chef vorstellt. Beide Seiten sind gut vorbereitet, aber eine Aufregung ist dieses Gespräch nicht mehr wert – denn es ist längst Standard und zwar für beide Seiten.

So könnte es sein. So ist es aber nicht. In der Wirklichkeit ist das Qualifizierungsgespräch, das laut Paragraf 5 des Tarifvertrages öffentlicher Dienst (TVöD) den Beschäftigten des öffentlichen Dienstes zusteht, eben noch längst nicht etabliert. Chefs wie Beschäftigte  sprechen gerne und oft von der Notwendigkeit des lebenslangen Lernens, doch in der Praxis spiegelt sich diese Erkenntnis dann doch nicht wider. In einem scheinen sich viele Beschäftigte und Vorgesetzte einig: Sie sind zufrieden mit den Weiterbildungsangeboten, die ihnen offeriert werden. Mehr noch: Viele Beschäftigte – gerade ältere – sehen Weiterbildung als Strafe, als eine Form, ihnen klarzumachen, dass sie Defizite haben, nach dem Motto: „Mache ich meine Arbeit nicht gut genug?“

Die Chancen, die der Paragraf 5 des TVöD birgt, werden bisher weder von den Personalräten noch von den Arbeitgebern genutzt. Viele wissen gar nicht, dass Weiterbildung tariflich fixiert wurde, dass zumindest ein Anspruch auf ein Weiterbildungsgespräch festgeschrieben ist, berichtet Reinhard Bahnmüller vom Tübinger Forschungsinstitut Arbeit, Technik und Kultur (F.A.T.K.). Er leitete die Analyse, die die Wirkungen des Paragrafen 5 des TVöD genauer unter die Lupe nahm. Sein Fazit: Mit dem Paragrafen 5 haben „die Gewerkschaften den Fuß in die Tür gestellt, Zugluft ist dadurch bisher jedoch kaum entstanden“. Sprich: Der Paragraf 5 hat kaum dazu beigetragen, dass die Weiterbildung einen Schritt nach vorn gemacht hat. Man könnte es auch positiver formulieren, dann würde es heißen: Im Paragraf 5 steckt noch viel Potenzial.

Möglicherweise ist der Paragraf zu weich formuliert, spekulieren Personalräte – eben nur eine Kann-Bestimmung. Dem Qualifizierungsgespräch muss bisher keine Qualifizierung folgen. Hinzu kommt: Der Paragraf setzt darauf, dass die Details über eine Dienstvereinbarung vor Ort in den Betrieben, Ämtern und Einrichtungen geregelt werden. Soll Weiterbildung auch weiterhin eher vor Ort geregelt werden oder zentral per Tarifregelung? Oder braucht es beides – eine Kombination aus tariflichen wie betrieblichen Regelungen? Mechthild Bayer, ver.di-Bereichsleiterin Berufsbildungspolitik, warnt davor, diese beiden Bereiche gegeneinander auszuspielen. Dennoch: So mancher Personalrat wünscht sich tarifliche Regelungen –weil er sich überfordert fühlt, auch noch die Weiterbildung vor Ort regeln zu sollen. Für die Arbeitgeber aber steht fest: Weiterbildung noch stärker tariflich zu regeln ist mit ihnen erstmal nicht drin.

Für Angelika Kelsch, Vorsitzende des Personalrates der Lutherstadt Wittenberg, steht fest: Es gibt keinen Königsweg – auch nicht vor Ort. Dennoch: Das Weiterbildungsbudget muss sich danach richten, was und wer weitergebildet werden soll. Der Bedarf muss im Vordergrund stehen. Der Bedarf darf sich nicht nach dem Budget richten. Sonst stößt Personalentwicklung schnell an ihre Grenzen.

Dass auch bei der Weiterbildung das Geld einer der Schlüssel ist, ist für Thomas Leif, Moderator der Tagung, eines der Ergebnisse der Diskussionen in Sachen Weiterbildung. Alle reden davon, wie wichtig lebenslanges Lernen ist – besonders angesichts des demografischen Wandels. Doch wenn es konkret wird, „werfen die Akteure Nebelkerzen“, will er bemerkt haben. Und er betont: Es gibt nur eines, was teurer ist als Weiterbildung – nämlich keine Weiterbildung. Seines Erachtens ist es an den Tarifparteien, Ziele zu definieren –getreu dem Motto: Wer sich nicht festlegen will, will sich nicht bewegen.

Und: Es braucht Szenarien, es braucht Vorbilder. Damit Personalräte sehen, wie Weiterbildung vor Ort vorangetrieben werden kann. Weiterbildung spielt in den meisten Betrieben, in den Einrichtungen und Ämtern immer noch eine Nebenrolle. Leif fordert: „Weiterbildung muss vom Rand ins Zentrum gerückt werden.“