Modellprojekt demografischer Wandel

Für das Team wird die Arbeit leichter

Demografieprojekt

Landkreis Osnabrück

Team Zahngesundheit Landkreis Osnabrück Team Zahngesundheit

Wenn alle es wollen, dann lässt sich mit einfachen Mitteln viel erreichen. Diese Erfahrung hat das Team Zahngesundheit des Landkreises Osnabrück gemacht, erzählt Team-Leiterin Brigitte Brunner-Strepp. Im Rahmen seiner Teilnahme am ver.di-Modellprojekt  demografischer Wandel hat der Zahnmedizinische Dienst seine Arbeitsabläufe genau unter die Lupe genommen, bisherige Arbeitsabläufe hinterfragt und einiges umorganisiert. Das Ergebnis: Arbeitserleichterungen für das Team Zahngesundheit.

Als Brigitte Brunner-Strepp von dem ver.di-Projekt „Beruf und Pflege“ erfuhr, war für sie klar: Sie wollte alles daran setzen, dass das Team Zahngesundheit des Landkreises Osnabrück an dem Projekt teilnimmt. Der Grund: Auch das Durchschnittsalter der Frauen – und es sind nur Frauen – des Teams steigt. Eine der Kolleginnen pflegte ihre Eltern. Brunner-Strepps Eltern sind bereits über 80 Jahre, zwar nicht pflegebedürftig, aber sie brauchen Hilfe im Alltag.

Und dann ist da noch der Umstand, dass den Frauen der Berufsalltag immer schwerer fällt. „Es ist etwas anderes, ob ich mit 30 die Ausrüstung die Schultreppe hochwuchte oder mit 55“, weiß Brunner-Strepp. Die Frauen des Teams besuchen regelmäßig Kitas und Schulen. Ihre Mission: Den Kindern und Jugendlichen vermitteln, wie wichtig eine gewissenhafte Zahnpflege ist. Riesenzahnbürsten kommen dabei ebenso zum Einsatz wie ein komplettes Kasperltheater. Denn alters- und kindgerecht soll die Sensibilisierung der Kinder in Sachen Zahngesundheit sein. Umso schwerer wiegt der Koffer, den die Frauen des Teams für ihre Arbeit im Klassenraum oder in der Kita benötigen. Und dann ist da noch der Lärm und der Umstand, dass die Fachfrauen für Zahngesundheit eben auch dann gut gelaunt die Zahnbürste schwingen müssen, wenn es ihnen selbst mal gar nicht so gut geht. „Auch das geht in jungen Jahren besser als kurz vor der Rente“, sagt Brunner-Strepp. Und sie betont: „Wir haben alle die Kinder sehr gern“, dennoch kann ein Arbeitstag hart sein.

Wo können wir ansetzen? Das war die Frage, die sich die Frauen im Workshop stellten, der im Rahmen des Projekts stattfand. „Alles kam auf den Tisch“, sagt Brunner-Strepp. Nichts blieb verschont, nur weil sie es schon immer so gemacht haben. Auch im Mittelpunkt der Interviews, die während des Projekts mit allen Beteiligen des zahnmedizinischen Dienstes geführt wurden – auch mit dem Chef im Gesundheitsdienst – , standen die Arbeitsorganisation, Arbeitszeitgestaltung, die  Arbeitsstrukturen, die Kommunikation und die Gesunderhaltung. Zudem ging es darum, die Ergebnisse auf die gesamte Verwaltung zu übertragen.

Und es blieb nicht bei der Theorie: Zusammen mit den Beschäftigten wurden die einzelnen Tätigkeiten genau analysiert und kategorisiert. Es wurden Berufsverlaufsmodelle und Arbeitszeitmodelle diskutiert, Arbeitsstrukturen kritisch betrachtet und Vorschläge zur Verbesserung der Kommunikation erarbeitet.

Und was wurde noch geändert? „Wir haben die Einsatzorte der Kolleginnen so aufgeteilt, dass sie in der Nähe ihres Wohnortes liegen“, sagt Brunner-Strepp. So wurden lange Anfahrtswege vermieden. Die Vier-Tage-Woche ist eine Option, Homezeiten sind eine andere. Einmal die Woche werden die Büroarbeiten erledigt. Und was das Schleppen der Ausrüstung, des Materials angeht: Das Büro ist nun zwar nicht bequem, aber barrierefrei zu erreichen, ein neuer Aufgang macht es möglich. Zudem wurde einTransportkarren angeschafft, der Stufen gehen kann. In den Schulen fragen die Kolleginnen nun meist die Schüler oder die Lehrer, ob sie ihnen beim Tragen helfen. „Meist tun sie das gern“, weiß Brunner-Strepp – man muss eben nur fragen. Ähnlich ist es beim Lärm. Inzwischen scheuen die Frauen nicht mehr davor zurück, eine unruhige Klasse auch mal darauf aufmerksam zu machen, dass dieses Verhalten mehr als stört. Und das hilft – oft.

Doch das ist nicht alles: Der Schlüssel für die Betreuung von Einrichtungen durch die Mitarbeiterinnen wird jetzt so berechnet, dass für Organisation, Materialwirtschaft und Verwaltungstätigkeit ein Tag pro Woche im Büro einkalkuliert wird. Diese Bürotätigkeit kann von Teilzeitkräften wahlweise vormittags oder nachmittags durchgeführt werden. Um die Wege mit Material innerhalb des Kreishauses möglichst barrierefrei zu gestalten, sollen die Aufzüge genutzt werden – auch wenn dies länger dauert. Außerdem sollen die Pausen eingehalten werden – weil Pausen zur Erholung da sind. Das gilt auch für den Außendienst. Ob die Mitarbeiterinnen auch am Wochenende ihren Arbeitskoffer packen und auf Veranstaltungen gehen – das ist inzwischen ihnen überlassen. Um die Kommunikation innerhalb des Teams zu verbessern, fasst die Abteilungsleitung alles Wichtige in einem Newsletter zusammen.

Brunner-Strepp: „Wir haben beim Projekt den Fokus darauf gelegt, die tägliche Belastung zu verringern.“ Das sei geglückt – obwohl es zunächst danach aussah, dass die Gegebenheiten nicht zu ändern sind. Übrigens: Sie waren mit einfachen Mitteln zu ändern – zum Beispiel, indem sich die Frauen nun Hilfe holen. Es seien nicht die ganz großen Schritte, räumt die Teamleiterin ein, aber auch diese kleinen Veränderungen hätten die Belastung der einzelnen Kolleginnen verringert. Möglicherweise müssten in regelmäßigen Abständen die Kolleginnen darüber nachdenken, wie Belastung verringert werden kann, meint Brunner-Strepp. Weil sich Verhaltensweisen und Arbeitsstrukturen einschleifen oder sich Anforderungen verändern. Möglicherweise müsse die Frage nach einer geringeren Belastung alle paar Jahre gestellt und von den Beschäftigten gemeinsam beantwortet werden.