Gute Arbeit

Besser statt billiger

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Arbeitsbedingungen

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Keine Arbeit zu haben, macht krank. Aber schlechte Arbeit macht auch krank. ver.di macht sich deshalb für gute Arbeit stark: Für Arbeitsplätze,  bei denen der Arbeits- und Gesundheitsschutz groß geschrieben wird, die fair entlohnt und bei denen die Beschäftigten wertgeschätzt werden. Dabei hat ver.di nicht nur die Beschäftigten, sondern auch die Bürgerinnen und Bürger im Blick. „Nur bei guten Arbeitsbedingungen sind die Beschäftigten in der Lage, gute Dienstleistungen für die Bürgerinnen und Bürger zu erbringen“, betont Renate Sternatz, Bereichsleiterin im ver.di-Bundesfachbereich Gemeinden.

Dienstleistungen – allen voran die öffentlichen Dienstleistungen – entscheiden über die Lebensqualität der Menschen. Sie sorgen dafür, dass das Gemeinwesen funktioniert. Viele Menschen verdienen mit Dienstleistungen gutes Geld. Viele – aber bei weitem nicht alle. Der DGB-Index Gute Arbeit macht immer wieder deutlich, dass in bestimmten Dienstleistungen der Niedriglohnsektor weit verbreitet ist. Im Einzelhandel zum Beispiel, dem Wach- und Sicherheitsgewerbe, in der Abfallwirtschaft, der Pflege und auch in der Weiterbildung. Wobei extrem niedrige Löhne erst durch Liberalisierung und Privatisierung in der Dienstleistungsbranche Einzug hielten. Mit der Privatisierung wurden oft die Löhne gesenkt, mit der Privatisierung nahm die Leiharbeit zu. Mehr als die Hälfte aller Leiharbeitnehmer arbeitet in Dienstleistungsunternehmen. Oft sind gerade sie von Lohndumping betroffen und befristet beschäftigt.

Was aber macht die Dienstleistungsarbeit aus? Ganz klar: Dienstleistung ist Arbeit am Menschen. Wenn keine Kinder betreut und gefördert, keine Kranken gepflegt, keine Bürgerinnen und Bürger befördert oder bedient werden, gibt es keine Dienstleistung. Fast zwei Drittel der Beschäftigten in den Dienstleistungsbranchen arbeiten regelmäßig mit Menschen und für Menschen. Gerade sie sind es, die ihre Arbeit als sinnvoll und wertvoll begreifen. Aber sie sind es auch, die durch ihre Tätigkeit emotional sehr gefordert werden. Denn der Umgang mit Menschen erfordert psychische Belastbarkeit und die Bereitschaft, sich mit Menschen unterschiedlicher Milieus und Problemstellungen auseinanderzusetzen.

Mittel bis schlecht

Nur gut jeder siebte Beschäftigte im Dienstleistungsbereich reiht seine Arbeit als gute Arbeit ein. Dagegen wertet jeder Dritte seine Arbeit als schlecht, jeder Zweite meint, seine Arbeit sei mittelmäßig.

Doch wenn die Technik nicht funktioniert, wenn zu wenig Personal am Schalter vorhanden ist, wenn zu viele Fälle pro Beschäftigten zu bearbeiten sind und keine Zeit bleibt zum ausreichenden zuhören und beraten,  wenn zu wenig Pflegende auf Station vorhanden sind, um älteren Menschen die Fürsorge und Unterstützung zu geben, die sie brauchen – immer dann steigt die psychische Belastung der Beschäftigten. Kein Wunder, dass jeder Dritte in der Dienstleistungsbranche unter Arbeitshetze leidet. Vor allem Beschäftigte im Gesundheitswesen, im Sozialwesen, in der Forschung und Entwicklung, im Bereich Transport und Verkehr sowie der Telekommunikation sehen sich unter starker Arbeitshetzte und Zeitdruck. Was dafür verantwortlich ist? Zu wenig Personal, zu viele und zu unkoordinierte Arbeitsaufträge, Vorgesetzte, die nicht organisieren können. Das jedenfalls gaben die Beschäftigten an. Zudem klagen sie über mangelnde Anerkennung, Unsicherheit ,.Geringes Einkommen,  unzureichende Informationen  und geringe Beteiligungsmöglichkeiten.

Diese Einschätzung der Beschäftigten ist für ver.di Handlungsauftrag. Vor allem, weil zahlreiche Beispiele zeigen, dass gute Arbeit gerade in diesen Bereichen möglich ist und auch von den Bürgerinnen und Bürgern gefordert wird. Denn letztendlich profitieren sie, wenn in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen mehr und gut qualifiziertes Personal vorhanden ist. Oder wenn mehr gut ausgebildete Erzieherinnen sich in den Kitas um die Kinder kümmern oder mehr Fachleute in den Jobcentern den Arbeitslosen helfen. „Besser statt billiger“ lautet deshalb die Devise, die ver.di für den Dienstleistungsbereich ausgerufen hat.

Dass angesichts des demografischen Wandels Fachkräfte rar werden, steht außer Frage. Aber gerade mit Blick auf den demografischen Wandel müssen die Arbeitsbedingungen insgesamt im Dienstleistungsbereich verbessert werden. Geschieht dies nicht, wird der demografische Wandel diesen Bereich umso stärker treffen.

Es braucht nicht viel Vorhersagekraft, um zu wissen, dass professionelle Dienstleistungen in Zukunft gefragter sein werden denn je. Alle anderen werden automatisiert werden und deshalb verschwinden. Professionalisierung aber verlangt eine gute Ausbildung und eine stete Weiterbildung. Nur wenn Arbeit professionalisiert und entsprechend bezahlt wird, wird es genügend Fachkräfte für diese Arbeit geben – gleichgültig ob es um Pflege, um Kindererziehung oder um Callcenter, Jobcenter oder  öffentliche Verwaltung geht.