Fachdialog "Nie mehr ohne"

Frauen setzen zu wenige auf Netzwerke

Der politische Wille ist entscheidend

Beate Sinz-Günzel Bender Beate Sinz-Günzel

„Wir haben in Sachsen-Anhalt eines bewiesen – nämlich, dass da, wo ein Wille ist, sich ein Weg findet. In der Koalitionsvereinbarung  zwischen den Regierungsparteien wurden im April 2011 konkrete Schritte festgelegt, mit denen die Gleichstellung von Frauen und Männern vorangetrieben werden sollten. Das Ziel ist ambitioniert: Zum Ende der Legislaturperiode sollen 40 Prozent der gehobenen Führungspositionen der Landesverwaltung und der nachgeordneten Bereiche mit Frauen besetzt sein.  2011 waren das gerade mal  22,58 Prozent in meiner Dienststelle.  Das Ziel wurde sogar mehr als erreicht: Aktuell liegt hier der Anteil der Frauen an gehobenen Führungspositionen bei 42,86 Prozent.

Natürlich sind Quoten immer umstritten. Die Frauen, die hier die  Führungspositionen bekamen, sind keine Quotenfrauen. Sie  erhielten die Stellen, weil sie die Voraussetzungen – Eignung, Leistung und Befähigung – erfüllten.  

In unserem Haus wurde schon 2006  mit der Führungskräftefortbildung begonnen, d.h. Frauen und Männer zu fördern – zum Beispiel mit Fortbildungen für angehende Führungskräfte und für Führungskräfte selbst. Übrigens: Dabei wurde deutlich, dass Frauen keine speziell auf sie zugeschnittenen Fortbildungen wollen, denn sie stehen auf dem Standpunkt: Wir sind genauso qualifiziert wie die Männer, wir sind genauso geeignet, wir bringen die Leistung und die Befähigung – so, wie es das Gesetz verlangt und wie es ganz selbstverständlich sein muss. Nachhilfe brauchen wir nicht.  Ergo sollen sich die Fortbildungen auch an beide Geschlechter richten. Die Folge: Fortbildungen, die Frauen und Männer ansprachen beziehungsweise ansprechen, wurden und werden viel besser von den Frauen angenommen als solche, die speziell für Frauen waren.

Der Hintergrund: Es war absehbar, dass es in den Jahren ab 2010  viele Vakanzen geben wird, weil viele der  Führungskräfte ins Rentenalter kamen Das war für die Frauen auch eine Chance. Dass diese Chance auch genutzt wurde, um Frauen in diese Positionen zu bringen, war der Wille der Politik. Zugegeben: Ohne die spezielle Situation, dass eben auch viele Stellen frei wurden, hätten wir das Ziel, den Frauenanteil unter den Führungskräften derart zu erhöhen, nicht geschafft. Aber wenn der politische Wille nicht dagewesen wäre, auch mehr Frauen in diese Positionen zu bringen, wären die Stellen vermutlich wieder öfter mit Männern besetzt worden.

Der politische Wille  ist eine wichtige Voraussetzung, aber es braucht noch mehr: In Sachsen-Anhalt müssen die Landesbehörden regelmäßig Rechenschaft ablegen, ob sie die vorgesehene Quote erreicht haben. Ist das nicht der Fall, dann müssen sie gezielt darlegen, wie sie das Ziel erreichen wollen. Das macht keinen Spaß. Denn eine Pauschalantwort reicht nicht. Die   Staatskanzlei verlangt eine eingehende Begründung nebst Bewertung und den Vorschlag gezielter Maßnahmen zur Abhilfe. War die hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte einbezogen? Ich bin sicher, auch diese Rechenschaft, die verlangt wird, trägt entscheidend dazu bei, dass in Sachsen-Anhalt so viele  Frauen in einer gehobenen Führungsfunktion sind.  Frauenförderung ist damit nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern es wurde  in kurzer Zeit viel erreicht.

Was Frauen oft falsch machen? Ich glaube, sie sind zu bescheiden. Die Männer trauen sich mehr zu und das zahlt sich aus. Zudem setzen Frauen zu wenig auf Netzwerke. Sie müssen sich mehr zusammenschließen und sich gegenseitig fördern. Männer sind Netzwerker. Sie geben sich Tipps, wo welche Stellen frei sind, loben sich gegenseitig bei den Vorgesetzten und bereiten so die Beförderung vor. Die Männer sorgen dafür, dass ihre Geschlechtsgenossen auch gute Beurteilungen bekommen. Im öffentlichen Dienst hängen die Stellenbesetzungen und   Beförderungen von den Beurteilungen ab. Und deshalb müssen die Frauen auch hier ansetzen – bei den Beurteilungen. Gesellschaftlich gesehen muss es selbstverständlicher werden, dass Führung auch in Teilzeit möglich ist. Bei vielen Frauen geht es auch darum,  Beruf und Privatleben besser zu vereinbaren. Das ist oft nur in Teilzeit möglich.  Es muss über neue Arbeitszeiten nachgedacht werden – nicht nur Gleitzeit, sondern die Einräumung von  Funktionszeiten ist schon ein Schritt in die richtige Richtung ebenso wie die Gestattung von Tele-/Heimarbeit.“