Fachdialog "Nie mehr ohne"

Gleichstellung erfolgt in einer Wellenbewegung

Wir müssen dran bleiben

Stefanie Hartl Bender Stefanie Hartl

„Die Bilanz der vergangenen Jahr ist positiv: Es sind deutlich mehr Frauen in Führungspositionen vorgerückt. Aber dass es so ist, heißt auch: Die Gleichstellungsbeauftragten haben in den gemeinsamen Einrichtungen – den Jobcentern – darum hart gekämpft, dass Frauen eine Chance bekommen.  Denn nach wie vor ist es nicht selbstverständlich, dass Frauen die Chefs sind. Wenn die Politik es ernst mit der Gleichstellung meint, dann muss sie mehr dafür tun, die Rahmenbedingungen zu verändern.

Denn wir müssen uns eines bewusst machen: Frauen sollen in der Rush-Hour ihres Leben auch in ihrer Karriere durchstarten. Dabei sind sie in dieser Phase sowieso schon stark belastet – belasteter noch als Männer. Weil nach wie vor das Gros der Sorgearbeit an den Frauen klebt. Und dann sollen sie auch noch die Pflöcke für ihre Karriere einrammen. Rahmenbedingungen verbessern heißt hier: In den Betrieben muss sich das Besprechungsmanagement ändern. Besprechungen müssen so angesetzt werden, dass Frauen an ihnen teilhaben können. Es muss mehr bezahlbare haushaltsnahe Dienstleistungen geben, die die Frauen in der Sorgearbeit entlasten. Und vor allem: Die Teilzeit muss gestärkt werden. Wobei Teilzeit ja nicht 50 Prozent der Vollzeit bedeutet. Teilzeit bedeutet meist eine 32-Stunden-Woche. Frauen müssen zudem lernen zu delegieren. Sie können nicht alles in der Hand behalten. Und: Andere Frauen und die Männer müssen akzeptieren, dass  Frauen nicht 160 Prozent der Leistung der Männer bringen müssen, um anerkannt zu werden.

Was die Frauen neben den Rahmenbedingungen ausbremst, sind die gläsernen Decken in der Beurteilung. Es werden nur die befördert, die von ihren Vorgesetzten eine gute Beurteilung bekommen haben. Und wir wissen, dass das gleiche Verhalten von Frauen und Männern unterschiedlich beurteilt wird. Sind Männer selbstbewusst, dann ist das positiv; zeigen sich Frauen selbstbewusst, wird es anders bewertet. Kein Wunder, dass Männer deshalb in den Vorstellungsrunden protzen, Frauen dagegen ihre Leistung als normal darstellen sich klein machen – was übrigens nicht gut ankommt.

Wenn ich eine Bilanz ziehe, dann bin ich sicher, dass die Gleichstellungsbeauftragten in den gemeinsamen Einrichtungen insgesamt bewirkt haben, dass die Gleichstellung vorangeht. Dennoch müssen wir uns von der Vorstellung verabschieden, Fortschritt in einer Angelegenheit erfolgt immer in großen Schritten vorwärts. Gerade bei der gesellschaftlichen Gleichstellung verläuft vieles meines Erachtens in einer Wellenbewegung. Viele von uns dachten: Wenn wir die geschlechtergerechte Sprache voranbringen und die Quote, dann ist die Sache auf einem guten Weg.

Sie ist auch auf einem guten Weg. Aber ganz klar: Wir müssen darauf achten, dass die Richtung stimmt, dass es tatsächlich voran geht. Deshalb müssen wir dran bleiben. Und immer wieder auf die Defizite hinweisen und auf Verbesserungen dringen wie bei den Rahmenbedingungen. Der Wiedereinstieg nach der Familienphase muss weit weniger holprig werden.

Aber wir müssen auch die Erfolge sehen: Die Quote hat einigen von uns geholfen, dass ihre Qualifikationen anerkannt wurden und sie den entsprechenden Posten bekamen. Gut so. Denn je mehr Frauen in Führungspositionen sind, desto selbstverständlicher wird es für die Gesellschaft, Frauen als Chefinnen anzuerkennen. Derzeit haben noch viele Frauen in Führungspositionen männliche Berufsverläufe: Was wir aber brauchen, sind Modelle für Frauen und Männer, die gerne Familie haben uns sich die Haushaltsarbeit, Pflegearbeit und Erziehung der Kinder gemeinsam teilen. Eine Arbeitsgestaltung, die es den Frauen erleichtert, Karriere zu machen.“