Fachdialog "Nie mehr ohne"

Arbeitszeit auf familiäre Bedürfnisse ausrichten

Teilhabe auf Augenhöhe

Elke Prusseit Prusseit Elke Ferner

Für Elke Ferner, Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium, ist klar: Die Parität ist das Ziel. Es geht um eine partnerschaftliche Teilhabe auf Augenhöhe.  Und zwar in der Familie, beim Einkommen, bei der Vergabe von Führungspositionen. „Wir dürfen bei 30 Prozent nicht stehen bleiben“, sagt sie den Teilnehmerinnen des Fachdialogs „Nie mehr ohne“. Dabei bezieht sie sich auf die Statistik, die besagt, dass 30 Prozent der Führungspositionen im öffentlichen Sektor von Frauen besetzt sind.

Für Ferner gehören Gleichstellungspolitik und Partnerschaftlichkeit auf Augenhöhe zwischen Frauen und Männern zusammen. „Das eine bedingt das andere“ – ob es um die gerechtere Verteilung von Erwerbsarbeit und Familienarbeit geht oder um  gleiches Einkommen und berufliche Aufstiegschancen. Präsenzzeiten im Betrieb, in der Verwaltung oder der Einrichtung müssen für die Politikerin auf die familiären Bedürfnisse ausgerichtet sein. „Die Rushhour des Lebens mit Karriere, Kind, Familie, Pflege schafft niemand“, so Ferner. Es brauche einen Arbeitszeitkorridor, der den Familien entgegenkommt. Was bedeutet, dass vor 09.00 Uhr und nach 18.00 Uhr keine wichtigen Sitzungen anberaumt werden, weil sonst Beschäftigte mit Familie an diesen Terminen nur unter großem organisatorischen Aufwand teilnehmen können.

Arbeitszeit auf familiäre Bedürfnisse ausrichten bedeutet auch: Bis spät in die Nacht anwesend zu sein, dürfe nicht länger Qualifikationsmerkmal für beruflichen Aufstieg sein. Sie plädiert für eine bessere Zeitpolitik und für mehr Zeitsouveränität. Dies sei die Voraussetzung dafür, dass mehr Frauen Karriere leben und Männer mehr Zeit für die Familie haben. Sie nennt zudem unter anderem die Flexibilisierung der Kindererziehungszeiten, Familienarbeitszeiten, Familienpflegezeiten. Und außerdem: „Wir müssen in die Kinderbetreuung investieren“, sagt Ferner.

Vor den Teilnehmerinnen des Fachdialogs ging Ferner auch auf die Pläne des Familienministeriums zur Mindestquote von Frauen in Aufsichtsräten und das Bundesgleichstellungsgesetz ein. Und sie räumt ein: „Ich hatte mir bei der festen Quote, den Zielvorgaben und für den öffentlichen Bereich noch mehr gewünscht.“ Das, was nun erreicht worden sei, bezeichnete sie aber dennoch als einen „lange überfälligen großen Schritt vorwärts“.

So besagt das Bundesgremienbesetzungsgesetz, dass ab 2016 alle Entsendungen des Bundes in Aufsichtsräte oder andere Wahlgremien mindestens 30 Prozent eines jeden Geschlechts enthalten müssen. Von 2018 an muss Parität herrschen. Wer dies nicht schafft, muss das dem Frauen- und Familienministerium begründen.

Für Ferner werden auch für den öffentlichen Sektor klare Zielvorgaben und effektive Instrumente gebraucht. Das Ministerium werde deshalb künftig viel stärker kontrollieren, ob die Gesetze umgesetzt werden. Ferner meint: „Wir werden auch nerven“, wenn es sein muss. Ihrer Ansicht nach ist die Politik der leeren Stühle eine gute Strategie, ein Selbstregulierungsmechanismus: Wenn ein Unternehmen oder eine Einrichtung Frauenplätze nicht besetzen kann, bleibt der Posten frei. „Männer müssen Macht an Frauen abgeben“, so Ferner. Die bestehenden Männerseilschaften könnten so nicht fortgeführt werden.

Das Bundesgleichstellungsgesetz zielt nach Ferners Worten auf eine paritätische Vertretung von Frauen und Männern in allen Bereichen der Bundesverwaltung ab. Mit dem Gesetz werden ihrer Ansicht nach deutliche Verbesserungen vorgenommen. So wird der Gleichstellungsplan gestrafft, so müssen in einem Gleichstellungsindex die Fortschritte im Bereich Frauen in Führungspositionen und bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf aufgelistet werden, so werden viel stärker als bisher moderne Arbeitsplätze wie mobiles Arbeiten berücksichtigt. Auch die Beteiligungsrechte der Gleichstellungsbeauftragen werden mit dem Gesetz nach Ferners Worten deutlich gestärkt.

Dass die Geschlechteransprache in dem Gesetz für viel Ärger sorgt, verschweigt Ferner aber auch nicht. Gerade diese Geschlechteransprache werten viele nicht als Fortschritt, sondern als Rückschritt. Vor allem weil sie fürchten, dass das Gesetz letztendlich Männer in Frauenberufen fördert und weniger dafür sorgt, dass Frauen in den Führungsetagen aufsteigen. Die Staatssekretärin dagegen verweist darauf, dass der Begriff der Unterrepräsentanz aus dem geltenden Bundesgleichstellungsgesetz übernommen worden sei und im Einklang mit europäischem Recht stehe.

Für Ferner ist das Bundesgleichstellungsgesetz weiterhin de facto vor allem ein Frauenförderungsgesetz. Das sei auch in den Zielen des Gesetzes ausdrücklich verankert worden. Aber künftig würden punktuell auch unterrepräsentierte Männer gefördert. Denn Frauen- und Familienministerin  Manuela Schwesig nehme das Ziel der Parität ernst. „Zur Partnerschaftlichkeit auf Augenhöhe gehört auch, dass es normal ist, dass Männer auch in frauentypischen Jobs zu finden sind“, so die Staatssekretärin. Für eine paritätische Vertretung von Frauen und Männern sei die Geschlechteransprache mehr als konsequent.