Fachdialog "Nie mehr ohne"

Damit Frauen noch erfolgreicher sein können

Vieles erreicht, noch vieles zu tun

Kristin Rose-Möhring privat Kristin Rose-Möhring

„Es hat sich in Sachen Frauen in Führungspositionen im öffentlichen Dienst im Bereich des Bundes in den vergangenen Jahren einiges getan. Doch gleichzeitig muss ich sagen: Es gibt auch noch viel zu tun. Wichtig ist, wer in einer Behörde das Sagen hat. Hier kann ich allerdings nur für den Bereich der obersten Bundesbehörden sprechen. Entscheidend ist, obwohl es schon seit 2001 ein Bundesgleichstellungsgesetz gibt, die Leitungsebene. Sie bestimmt das Verwaltungshandeln und damit auch das Tempo der Gleichstellung. In den obersten Bundesbehörden sind das die beamteten Staatssekretär/inn/en. Weibliche beamtete Staatssekretäre gibt es derzeit auf Bundesebene nur vier; seit Gründung der Bundesrepublik 1949 waren es insgesamt sogar nur 14. Sie sind nicht zwangsläufig Garantinnen für Frauenförderung, aber mit ihnen ist die Chance größer. Sicher gibt es auch aufgeschlossene Männer, die Frauen fördern, wenn sie zum Beispiel von ihren Partnerinnen oder Töchtern wissen, wie schwierig der berufliche Aufstieg für Frauen ist. Und natürlich gibt es auch Frauen, die sich auf den Standpunkt stellen: Wir haben uns durchbeißen müssen; die jungen Frauen müssen das auch.

Dass heutzutage Frauen, die es geschafft haben, einen oft männlichen Führungsstil an den Tag legen, hat meines Erachtens einfache Gründe: Wir arbeiten in einer von Männern gemachten Behördenwelt. Verwaltung ist wie Kirche und Militär ein über Jahrhunderte von Männern geprägtes System. Die wenigen Frauen, die eine Top-Führungsfunktion innehaben, sind in diesem System sozialisiert und daher in der Regel nicht die, die einen weichen Führungsstil hochgehalten haben. Es sind oft Frauen, die sich an die ungeschriebenen männlichen Spielregeln halten. Das wird sich aber auf die Dauer ändern, wenn mehr Frauen auf allen Führungsebenen eine Behördenkultur anders prägen. Was den weiblichen Führungsstil ausmacht? Frauen kommunizieren mehr und sie setzen weniger auf Hierarchie. Helfen wird auch der Wandel weg von der Anwesenheitskultur zu einer Kultur des Flexiblen, d.h. zeit- und ortsunabhängigen Arbeitens. Das gibt Frauen die Chance, sich stärker einzubringen und dennoch Beruf und Familie zu vereinbaren. Lernen müssen Frauen sicher noch Selbstbewusstsein. Sie reflektieren viel und fragen sich zu oft: Kann ich das? Traue ich mir das zu? Erfülle ich das Anforderungsprofil? Männer werfen viel schneller ihren Hut in den Ring nach dem Motto: Was ich noch können muss, werde ich schnell lernen.

Aber ich muss auch eines klar sagen: Wenn Frauen sich so nachdrücklich selbstbewusst verhalten, wie es Männer in der Regel tun, kommt das nicht immer gut an. Denn nach wie vor ist es eben nicht das Gleiche, wenn zwei das Gleiche tun nach dem Motto: Wenn ein Mann brüllt, ist er dynamisch, wenn eine Frau brüllt, ist sie hysterisch. Frauen müssen eher „unaufdringlich“ selbstbewusst sein und ihren eigenen Weg finden. „Zäh und zärtlich“ hat Jutta Limbach das einmal genannt.

Damit Frauen noch erfolgreicher sein können, müssen sich die Rahmenbedingungen für sie weiter verbessern. Neben dem o.g. Flexiblen Arbeiten, das noch längst nicht in allen Bundesbehörden gang und gäbe ist, sollte es in jeder Behörde entweder eine Kita geben oder es muss eine Kita in der Nähe sein, in die die Beschäftigten ihre kleinen Kinder bringen können. Und auch bei den Ganztagsschulen muss sich noch einiges verbessern.

Übrigens: Stimmt. Junge Frauen finden Fragen der Gleichstellung oft nicht sonderlich wichtig. Das ändert sich, sobald sie schwanger werden, in Mutterschutz und Elternzeit gehen. Wenn sie dann wieder zurückkommen - oft in Teilzeit - bekommen sie die gläsernen Decken schnell zu spüren. Und plötzlich sind Gleichstellung, gleiche Chancen und die gerechte Beurteilung wichtige Themen.

Wir haben die Gleichstellung noch längst nicht erreicht. Was wir erreicht haben, kann sich sehen lassen. Aber das alles ist fragil und wir befinden uns nach gut 40 Jahren moderner Frauenbewegung schon wieder in einem „backlash“, das heißt einer Rückwärtsbewegung. Deshalb müssen wir alle weiter dafür kämpfen, dass die Gleichstellung von Frauen mit Männern voranschreitet – selbst wenn es nur langsam vorangeht.“