Frauen

80 Tage für lau

Equal Pay

Ungleichbezahlung von Frauen

Equal-Pay-Day macht auf Ungleichbezahlung von Frauen aufmerksam.

Trotz aller Tarifverträge gehen Frauen mit deutlich weniger Geld nach Hause als Männer. Die Folge: 80 Tage im Jahr arbeiten Frauen sozusagen umsonst. Es gibt viele Faktoren, die für diesen Umstand verantwortlich gemacht werden, sagt Renate Sternatz, Bereichsleiterin beim Fachbereich Gemeinden in der ver.di-Bundesverwaltung. Und sie weiß auch: Die Frauen brauchen Energie und Hartnäckigkeit, damit sich hier etwas ändert.

Der Equal-Pay-Day fällt 2014 auf den 21. März. Und das bedeutet…

Sternatz: ….dass Frauen 80 Tage lang sozusagen umsonst arbeiten. Denn diese 80 Tage entsprechen  den 22 Prozent, die Frauen weniger verdienen als Männer. Der Equal-Pay-Day orientiert sich an dieser Marge. Weil sich an diesem Delta – also der Differenz zwischen der Bezahlung der Männer und der Bezahlung der Frauen in den vergangenen Jahren nichts zum Positiven verändert hat.

Wer ist schuld daran, dass auf dem Gehaltszettel weniger steht? Die Frauen oder die Umstände?

Sternatz: Auf den Gehaltszetteln steht gegebenenfalls die gleiche Summe wie bei den Männern. Denn die Tarifverträge machen erstmal keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Dennoch gibt es natürlich Gründe dafür, dass Frauen letztendlich mit deutlich weniger Geld nach Hause gehen als Männer.

Und wie lauten diese Gründe?

Sternatz: Teilzeit ist der eine Grund dafür, dass Frauen weniger Geld verdienen als Männer. Denn es sind nach wie vor Frauen, die in Teilzeit arbeiten. Zum Beispiel, wenn sie kleine Kinder haben. Die Frauen in der Familie stecken dann beruflich zurück, kümmern sich mehr um die Familie und reduzieren ihre Arbeitszeit. Wenn die Kinder größer sind, würden viele von ihnen gerne wieder in Vollzeit arbeiten, was oftmals dann aber nicht ohne weiteres geht. Hinzu kommt: Führungspositionen werden nach wie vor selten in Teilzeit vergeben, obwohl Studien davon zeugen, dass dies sehr wohl möglich wäre.

Dann stellen die Frauen – auch im öffentlichen Dienst – immer wieder fest, dass es gläserne Decken gibt. Sie werden Abteilungsleiterin, kommen somit in die mittlere Führungsebene.  Dann ist Schluss, dann sehen sie sich immer wieder an gläserne Decken stoßen. Die Folge: In hohen Führungspositionen sind Frauen auch im öffentlichen Dienst rar.

Es heißt immer wieder, dass Frauenarbeit generell schlechter bezahlt wird. Welche Rolle spielt das 2014 noch?

Sternatz: Das spielt nach wie vor eine große Rolle. Ich denke dabei an die sozialen Berufe: Erzieherinnen, Sozialarbeiterinnen und die Pflegeberufe. In diesen Berufen sind Fähigkeiten wie Empathie das A und O. Das ist keine körperliche schwere Leistung nach dem klassischen Muster, ist aber psychisch sehr anstrengend. Und ohne diese Empathie oder die Hinwendung zu den Kindern oder den Pflegebedürftigen ist der Job nicht zu machen, sie sind entscheidend für diesen Beruf. Mit dem neuen Tarifrecht des TVöD ist auch eine neue Entgeltordnung notwendig, hier hatte ver.di den Arbeitgebern vorgeschlagen „soziale Kompetenz“ als ein neues wichtiges Bewertungskriterium  aufzunehmen. Die Arbeitgeber haben dies jedoch abgelehnt. Wir brauchen eine neue Gewichtung der unterschiedlichen Fähigkeiten, die für die Berufe gebraucht werden. Gerade was die sozialen Berufe betrifft, pocht ver.di seit Jahren darauf, dass diese Tätigkeiten besser bezahlt, dass alle die Faktoren, die für eine solche Tätigkeit gebraucht werden, auch honoriert werden.  Gerade für die öffentlichen Arbeitgeber wird damit die Scheinheiligkeit ihres politischen Anspruchs auf den Ausbau und die Qualitätssteigerung z. B. in der frühkindlichen Bildung deutlich – dies geht nur wenn parallel dazu auch der Beruf aufgewertet wird. Welche Rolle spielen Befristungen beim Delta zwischen den Einkommen der Frauen und der Männer?

Sternatz: Gerade im öffentlichen Dienst sind Befristungen hier ein entscheidender Faktor. Man muss sich vergegenwärtigen, dass 2010 zum Beispiel 68 Prozent aller Neueingestellten im öffentlichen Dienst befristet waren. Und: auch hier sind Frauen überproportional betroffen.

Für alle bedeuten Befristungen,  ihr Leben nicht planen zu können und beim Geld immer „klein zu bleiben“.  Häufig werden berufliche Erfahrungen nicht über die Erfahrungsstufen des TVöD anerkannt.  Ergo bewegt sich ihr Einkommen immer an der untersten Stufe, obwohl sie jahrelange Erfahrungen vorweisen könne.

All das sind Faktoren, die wir im Interesse der Frauen nach und nach angehen müssen. Das geht aber nur, wenn sich die Frauen vehement um diese Faktoren kümmern, sich einsetzen und immer wieder dafür kämpfen, dass diese Faktoren keinen Einfluss auf ihre Arbeitsbedingungen und Einkommen haben.

Das heißt, es müssen sich mehr Frauen tarifpolitisch und in den Tarifkommissionen einmischen.

Sternatz: Ja genau, dass trifft den Kern. Die ErzieherInnen und SozialarbeiterInnen haben es im Jahr 2009 gezeigt, dass es notwendig und möglich ist sich zu engagieren, sich zu beteiligen und aktiv für die eigenen Rechte einzutreten. Zum Thema Entgeltgleichheit ist jetzt der Gesetzgeber gefragt. Den Ausschluss der sachgrundlosen Befristungen im Tarifvertrag haben wir jetzt als Forderung zur Tarifrunde bei VKA und dem Bund. 

Oftmals ist zu hören, diese Gründe für die Ungleichheiten in der Bezahlung seien nicht bewiesen.

Sternatz: Das stimmt. Exakte Analysen hierzu liegen nicht vor – noch nicht. Denn derzeit untersuchen Wissenschaftler des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesanstalt für Arbeit dieses Phänomen. Sie wollen der Frage auf den Grund gehen, warum Frauen trotz aller Tarifverträge letztendlich doch so viel weniger verdienen als Männer – obwohl sie, was ihre Leistung angeht, unbestritten deutlich mehr verdienen im Sinne von „bekommen müssten“. Diese Studie hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) in Auftrag gegeben. Wir sind neugierig, wann die  Studie veröffentlicht wird.