Frauen

Gesetze endlich scharf stellen

Genderpolitik

Fachdialog 'Nie mehr ohne'

Teilnehmerinnen des Fachdialogs „Nie mehr ohne“ mahnen weitere große Schritte in Richtung Gleichstellung an
Nie mehr ohne Prusseit Nie mehr ohne

Nach oben hin wird es dünn. Nicht nur in der Wirtschaft sind Frauen nur selten Chefs, im öffentlichen Dienst sieht die Lage nicht viel besser aus. Und das, obwohl gerade im öffentlichen Dienst jede Menge Frauen arbeiten – in den Krankenhäusern, in den Kindertagesstätten, in der Verwaltung. Trotz Gleichstellungsgesetzen und Frauenbeauftragten. Was läuft falsch? Wer bremst Frauen aus? Was muss passieren, damit tatsächlich mehr Frauen in Führungspositionen kommen? Diesen Fragen ging der Fachdialog „Nie mehr ohne Frauen in Führungspositionen in den Verwaltungen des öffentlichen Dienstes auf Bundes-, Landes – und kommunaler Ebene“ nach, zu dem nahezu 200 Expertinnen und Interessierte aus ganz Deutschland auf Einladung von ver.di und der Friedrich-Ebert-Stiftung nach Berlin kamen.

„Erst war es die mangelnde Qualifikation, die als Grund dafür herhalten musste, dass Männer Chefs waren“, erinnert sich Margit Zauner, Mitglied im Bundesvorstand der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF). Das nahmen sich die Frauen zu Herzen und versuchen nachzuholen. Sie machten Abitur, gingen an Uni, kamen mit einem guten Abschluss zurück ... Und wieder wurde der Kollege Chef. „Jetzt ist es eben ein anderer Grund, warum Frauen nicht in Führungspositionen aufsteigen“, stellt Zauner fest. Mal sind sie nicht flexibel genug, dann sind solche Positionen angeblich nicht in Teilzeit machbar oder es heißt: „Die kann das nicht“. Letztendlich geht es aber offenbar nur um eines: Frauen sollen nicht das Sagen haben.

Und so sieht die Bilanz mager aus: Über die Hälfte der Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Kommunen und der Länder sind Frauen. Doch nur jede vierte Führungskraft ist auch weiblich. Die Zahlen für den Bund variieren etwas, gehen aber in die gleiche Richtung.  Grund genug für das ver.di-Vorstandsmitglied Achim Meerkamp, die öffentliche Hand an ihre Verantwortung zu erinnern. Der öffentliche Dienst habe allen Grund, nicht nur auf die Wirtschaft, sondern auch auf sich selbst zu schauen. So sind in Baden-Württemberg von 777 Führungskräften nur 205 Frauen; Sachsen-Anhalt  zählt 403 weibliche Chefs und 1840 männliche; im Saarland liegt das Verhältnis bei 6 zu 1 – auf sechs männliche Chefs kommt eine Frau. Und noch was ist überall ähnlich: Je niedriger die Hierarchie, desto höher ist der Frauenanteil.

Einsam an der Spitze

Julia Schimeta, Autorin der Studie „Einsam an der Spitze, Frauen in Führungspositionen im öffentlichen Sektor“, kennt die Situation detaillierter. Und sie weiß auch: Den Zahlen ist nicht ganz zu trauen, vermutlich sieht die Lage in Sachen Frauen in Führungsposition noch düsterer aus. Denn es ist reichlich unklar, was unter Führungsposition zu verstehen ist. In vielen Einrichtungen und Verwaltungen werden hochqualifizierte Fachkräfte unter der Rubrik Führungskräfte geführt – besonders dann, wenn die Rate der weiblichen Führungskräfte für die männlichen Chefs doch allzu beschämend ausfällt. Was besonders auffällt: Frauen in Führungspositionen sind kein Selbstläufer. Und es geht auch nicht immer in eine Richtung. In einigen Einrichtungen hat Schimeta festgestellt, dass die Zahl der Frauen in Führungspositionen wieder sinkt.

Doch warum hat sich trotz Gleichstellungsgesetzen, trotz Frauenbeauftragten unterm Strich noch nicht mehr getan? Die Erklärungsversuche nähern sich der Frage an, eine Antwort gibt es aber nicht. „Es kommen zu wenig Bewerbungen von Frauen“, hat zum Beispiel Wolfgang Dold, Ministerialdirektor im Auswärtigen Amt, beobachtet. Beate Sinz-Günzel vom Innen- und Sportministerium Ministerium in Sachsen-Anhalt ist sich sicher: „Ohne konkrete Frauenfördermaßnahmen geht es nicht.“  Und es braucht Personalentwicklungskonzepte. Doch gerade sie sind im öffentlichen Dienst rar.

Anreize und Sanktionen

Viel versprechen sich die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten von Anreizen und Sanktionen. Beispiel Berlin: Hier weiß jeder Senator, dass er keinen Personalvorschlag durchbekommt, der nicht dem Gleichstellungsgesetz entspricht. Politik der leeren Stühle, nennt sich diese Strategie, von der sich auch Frauen in anderen Bundesländern und anderen Einrichtungen endlich den Nachdruck versprechen, den sie für eine erfolgreiche Gleichstellungspolitik und mehr Frauen in Führungspositionen erhoffen. Auch Sanktionen werden erwogen – in dem Sinne, dass einem Bereich das Budget gekürzt wird, wenn er nicht den Gleichheitsgrundsatz lebt.

„Es muss ein Rock durch Deutschland gehen“, zitiert Genderexpertin Barbara Stiegler eine Medien-Überschrift. Nicht nur der Frauen wegen. Sondern weil auch Männer ein Recht auf Teilzeit haben, weil es darum geht, Beruf und private Verpflichtungen – was immer das auch sein mag – besser miteinander zu verbinden. „Wir wollen, dass alle - Frauen wie Männer – den Lebensentwurf leben können, den sie möchten“, sagt Stiegler.

In aller Kürze

Was Frauen fordern

-       Anreiz- und Sanktionsmechanismen

-       Mehr Transparenz in der Datenlage

-       Klare Zielvorgaben, um die Wirkung der Gesetze zu verbessern

-       Klagerecht, auch Verbandsklagerecht 

-       Quoten, um der Gleichstellung einen Schub zu verschaffen