Frauen

Aufwertung: Eine Frage der Geschlechtergerechtigkeit!

Frauen

Gleichstellung

Broschüre erschienen: Aufwertung macht Geschichte
Broschüre Friedrich-Ebert-Stiftung Broschüre

Die Gleichstellung von Frauen und Männern ist noch lange nicht verwirklicht. Dies zeigt sich unter anderem mit Blick auf den wohl prominentesten Indikator für die Gleichstellung in der Arbeitswelt: den Gender Pay Gap. Zwar hat sich dieser im Jahr 2015 – insbesondere aufgrund der Einführung des Mindestlohns – leicht verkleinert, liegt aber weiterhin bei 21 Prozent (und damit weit über dem europäischen Durch­schnitt). Bezogen auf den Bruttostundenlohn verdienen Frauen in Deutschland also immer noch mehr als ein Fünftel weniger als Männer. Eine Ungerechtigkeit, die soziale Ungleichheit befördert und einem inklusiven Wirtschaftswachstum entgegensteht.

Betrachtet man die Diskussionen und Kampagnen zur Aufwertung der Frauenarbeit seit den 90er Jahren im Rückblick, stechen zwei Aspekte besonders hervor, die bis heute nichts an ihrer Aktualität eingebüßt haben: Zum einen ist der Begriff der Produktivität – den schon Max Weber in den Orkus befördern wollte und der immer wieder gegen die Aufwertung von „Frauenberufen“ ins Feld geführt wird – auch heute noch zu problematisieren. Was als produktive und unproduktive Tätigkeit gekennzeichnet wird, ist in einem komplexen gesellschaftlichen System nicht von­einander zu trennen. Ohne die vermeintlichen unproduktiven Tätigkeiten wären die vermeintlich produktiven unmöglich.

Eng schließt hier die Notwendigkeit an, entgegen der Tendenz der dominierenden wirtschaftswissenschaftlichen Denkrichtungen, den Wert der Arbeit nicht allein dem Markt zu überlassen, sondern ihn zu politisieren. So sind beispielsweise auch oftmals als objektiv wahrgenommene Arbeitsplatzbewertungen Resultat arbeits­politischer Entscheidungen.

Der Blick auf die ÖTV Kampagne zur Aufwertung der Frauenberufe vergegenwärtigt, dass viele Kämpfe von Frauen um Anerkennung in der Arbeitsgesellschaft nichts an Aktualität eingebüßt haben und dass das Versprechen der Gleichstellung (im Arbeitsleben) noch lange nicht eingelöst ist. Die Vergegenwärtigung der Fragen von damals kann somit auch Impulse für die aktuellen Aufwertungsdiskussionen liefern.

Ohne die Gewerkschafterinnen, die sich in der Aufwertungskampagne für die An­liegen so vieler Frauen eingesetzt haben und die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel kreativ genutzt haben, um ihre Anliegen voranzubringen, wäre es noch ein gutes Stück weiter zu gehen auf dem Weg zur Gleichstellung!

Die Broschüre "Aufwertung macht Geschichte" kann hier heruntergeladen werden.