Fachgruppe Gartenbau, Friedhöfe, Forsten

Schluss mit Überbelastung

Gartenbau/Bauhöfe

Kolonnenplanung ver.di Kolonnenplanung

Im Rahmen des vom BMAS-geförderten Projekt „ZusammenWachsen – ArbeitGestalten“ hat ver.di zusammen mit externen Experten ein neues System zur Kolonnenplanung entwickelt. Damit ist es nicht nur möglich, Kolonnen zusammenzustellen. Es wird auch dokumentiert, welchen Belastungen der einzelne Beschäftigte im Laufe eines definierten Zeitraums ausgesetzt sein wird. So kann sichergestellt werden, dass die Beschäftigten nicht über Gebühr beansprucht werden.

 „Bisher wird die anfallende Arbeit auf die Kolleginnen und Kollegen verteilt, die da sind“, beschreibt Alexander Kühl vom Sozialforschungsinstitut Söstra die Situation in vielen Betrieben. Die Arbeiten, die für einen bestimmten Tag vorgesehen sind, müssen erledigt werden – vom vorhandenen Personal. Im Straßenbetriebsdienst zum Beispiel muss vieles schnell erledigt und kann nicht aufgeschoben werden bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Kolonnen optimal besetzt wären. Nach einem Sturm zum Beispiel müssen die Bauhöfe umgefallene Bäume so schnell wie möglich von den Straßen räumen, damit der Verkehr wieder fließen kann. Auch nach einem Unfall können die Aufräumarbeiten nicht warten.

Und so stehen die Kolonnenplaner regelmäßig vor Problemen. Denn die Zahl der Beschäftigten mit Leistungseinschränkungen nimmt zu. Das bisher geltende Kolonnenrezept, wonach junge kräftige Kolleginnen und Kollegen zusammen mit älteren erfahrenen in einer Kolonne arbeiten, stößt immer öfter an seine Grenzen. Diese Ausgleichsfunktion, nach der die jungen Beschäftigten die schwere Arbeit für die Älteren mitmachen, gelingt zunehmend weniger. Vor allem, weil die Kolonnen oft nur zwischen drei und acht Mitglieder zählen. Hinzu kommt: Der Kolonnenplaner kann unmöglich im Kopf exakt speichern, welches Kolonnenmitglied in den vergangenen Monaten überdurchschnittlich oft zu körperlich anstrengenden Arbeiten eingesetzt wurde, sodass es vielleicht nun bei den leichteren Arbeiten dran wäre. Dass es auch von der Topografie abhängt, wie eine Arbeit eingestuft wird, versteht sich von selbst: Mähen am Hang strengt zweifellos deutlich mehr an als auf geraden Flächen, bei denen nicht der Freischneider eingesetzt werden muss, sondern die Arbeit auch mit dem kleinen Traktor erledigt werden kann.

Der nun entwickelte elektronisch geführte Kolonnenplaner zeigt dies konkret an . Deshalb geht es für all jene, die den Computer für die Kolonnenplanung einsetzen wollen, darum, die Tabellen mit Material zu füttern. Es geht darum, die einzelnen Belastungen zu erfassen: Welche Arbeiten fallen an? Was sind schwere Arbeiten? Was wird als leichte Arbeit eingestuft?

Im Belastungsprofil wird jeder Mitarbeiter erfasst. Und so wird dokumentiert, wann er für welche Arbeiten eingesetzt wurde, welchen Belastungen er in diesem bestimmten Zeitraum ausgesetzt war. Diese Übersicht gibt dem menschlichen Kolonnenplaner wichtige Daten in die Hand, wenn es darum geht, am Morgen ein Team zusammenzustellen. Das Ziel: Die anfallenden Arbeiten werden ausgewogen und je nach den Leistungsmöglichkeiten zunächst auf die einzelnen Teams und letztendlich auf die Teammitglieder verteilt.

Der elektronische Kolonnenplaner basiert auf einer Excel-Tabelle. Und natürlich muss diese Tabelle erst einsatzbereit gemacht werden. Das heißt, sie muss mit den spezifischen Daten vor Ort bestückt werden – die einzelnen Tätigkeiten finden Berücksichtigung, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden eingetragen und sonstige Spezifika des jeweiligen Betriebes. „Das macht Arbeit“, räumt Kühl ein. Aber seiner Einschätzung nach nicht allzu viel. Aber vor allem: Ist der Kolonnenplaner dann einsatzbereit und wird auch benutzt, spart er nicht nur Zeit, sondern kann auch vor Überlastung schützen. Und: Er ist ein flexibles System. Veränderungen im Betrieb oder im Aufgabenkatalog können ohne weiteres eingearbeitet werden.

Aber werden die Beschäftigten mit einem solchen elektronischen Kolonnenplaner nicht gläsern? „Nicht viel gläserner als sie jetzt schon sind“, meint Kühl. Mit dem Planer aber wird die Beanspruchung des Einzelnen objektiviert, greifbar und beweisbar gemacht – was letztendlich nicht nur dem Betrieb nützt, weil dadurch die Kolonnenplanung einfacher wird, sondern sie nützt auch dem Beschäftigten. Denn das Ziel heißt: Überbeanspruchung vermeiden.

Mehr Infos zum elektronischen Kolonnenplaner hat Ralf Nix, Leiter des Bundesfachgruppe Gartenbau, Friedhöfe, Forsten und bei der ver.di-Bundesverwaltung zuständig für Arbeiterinnen und Arbeiter. Ralf.Nix@verdi.de