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Entfristungen müssen im Fokus bleiben

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Gleichstellungsbeauftragte Jobcenter

ver.di-Tagung Gleichstellungsbeauftragte in den Jobcentern Bender ver.di-Tagung Gleichstellungsbeauftragte in den Jobcentern

Die Bemühungen um die betriebliche Gleichstellung von Frauen und Männern müssen weitergehen. „Die Gleichstellung ist längst nicht erreicht“, betonte Renate Sternatz, Bereichsleiterin Gemeinden, vor der ver.di-Tagung der Gleichstellungsbeauftragten in den Jobcentern Ende Oktober in Berlin.

Im Fokus dieses Qualifizierungsangebotes standen die gesetzlichen Neuregelungen des Bundesgleichstellungsgesetzes, verschiedene Aspekte zur Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten und ihrer Stellvertreterinnen sowie konkrete Hinweise und Tipps für die betriebliche Praxis. Zu der Veranstaltung waren Gleichstellungsbeauftragte aus ganz Deutschland nach Berlin gekommen.

Nach Sternatz Worten setzen sich immer mehr Beschäftigte gegen die nach wie vor gängige Praxis der Befristung ein. Damit dieses Engagement gelingt, „brauchen sie Verbündete“, sagte die Bereichsleiterin. Sie verwies auf eine Aktion in Bielefeld, bei der sich 130 Jobvermittler aus Solidarität mit den Kolleginnen und Kollegen, denen ein befristeter Vertrag angeboten wurde, arbeitslos meldeten. In Düsseldorf wurde unter dem Motto protestiert: „Wir sind gekommen, um zu bleiben“. Sowohl an Infoständen als auch in der Presse müsse immer wieder auf die Befristungen in den Jobcentern hingewiesen werden, betont Sternatz.

Die Befristungen verhindern, dass die betroffenen Kolleginnen und Kollegen ihr Leben planen können. Doch das ist nicht alles: Ihre Kolleginnen und Kollegen müssen immer wieder neue Beschäftigte einarbeiten, was wiederum ihr Arbeitspensum erhöht. Sternatz verwies auch auf die bevorstehende Tarifrunde für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes, in der voraussichtlich auch die Zusatzversorgung, die Betriebsrente für den öffentlichen Dienst, von den Arbeitgebern zur Disposition gestellt wird. Ver.di erteilt Leistungskürzungen bei der Zusatzversorgung eine klare Absage. Denn die Zusatzversorgung soll angesichts der Rentenanpassungen der vergangenen Jahre dazu beitragen, dass das Niveau der Alterseinkünfte der Beschäftigten im öffentlichen Dienst erhalten bleibt.

Dienstleistungen sind nicht taktbar 

Margit Weihrich,  wissenschaftliche Mitarbeiterin der Forschungseinheit für Sozioökonomie der Arbeits- und Berufswelt, stellte vor den Teilnehmerinnen der Tagung ihre Studie vor, die sich mit dem Charakter der Interaktionsarbeit auseinandersetzt. Nach wie vor werde versucht, die Arbeitsgestaltung aus der Industrie auch auf den Dienstleistungsbereich anzuwenden. In der Industrie gehe es um leblose Dinge. Dadurch sei eine Taktung der Arbeitsprozesse möglich.

Anders bei der Dienstleistung: Eine Dienstleistung komme nur zustande, wenn die Klienten oder Kunden kooperieren, „Spielt der Kunde nicht mit, klappt die Dienstleistung nicht“, betonte Weihrich. Die Folge: Derjenige, der die Dienstleistung anbietet, muss auf verschiedenen Ebenen agieren. Weil der Dienstleister will, dass die Dienstleistung zustande kommt, muss er die Rahmenbedingungen entsprechend gestalten. „Er braucht ein Gespür für die Situation, muss ein Vertrauensverhältnis schaffen, muss die eigenen Gefühle unterdrücken und sollte gleichzeitig die Fälle nicht mit nach Hause nehmen.“ Aber vor allem: Jede Arbeitssituation ist anders. „Die typische Herausforderung ist, dass es keine typische Herausforderung gibt“, sagt Weihrich. Die Studie macht in der Folge ein dickes Fragezeichen hinter der gängigen Praxis der Kennzahlen in den Jobcentern.

Führung heißt Orientierung geben

Die Organisations- und Personalentwicklerin Irmhild Rüffer ging vor den Teilnehmerinnen der Tagung darauf ein, was gesundheitsförderndes Führungsverhalten ausmacht. Der klassische Arbeitsschutz beziehe sich auf die richtige Ausstattung des Arbeitsplatzes wie Stühle oder die technische Ausstattung. Zudem würden Hitze oder Lärm einbezogen, denen die Beschäftigten während der Arbeit ausgesetzt sind. Führungsverhalten sei lange nicht in die Betrachtung einbezogen worden. Wobei Rüffer betont: Gesundheit sei kein Zustand, sondern ein Prozess. Gesundheit beziehe sich auf soziale, somatische und psychische Aspekte und beinhalte das Fehlen von Erkrankung ebenso wie das persönliche Wohlbefinden und die hohe Leistungsfähigkeit.

Nach Rüffers Beschreibung zeichnet sich ein Führungsstil, der die Gesundheit der Beschäftigten fördert, durch flache Hierarchien, durch Partizipation, durch transparente Entscheidungen, durch Teamarbeit, durch Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten und eine Vertrauenskultur aus. Das Unternehmen müsse ein Interesse daran haben, Arbeitsbedingungen und Führungsmechanismen zu schaffen, mit denen es gelingt gut und gesund zu arbeiten. Eine besondere Herausforderung haben hier die Führungskräfte.

Text: Jana Bender